Der weite Weg nach Norden, 11. Bericht

7.6. – 7.7.18

Unser erster Halt nach der roten Felsenwelt war Cedar Breaks. Ich dachte, wir seien unterwegs nach Cedar City, einer Stadt mit Shakespeare – Freilichtbühne und ich freute mich schon auf etwas Kultur… Felix hatte sich aber ein bisschen falsch ausgedrückt und so fuhren wir weit in die Berge bis auf 3100 M.ü.M. zu einem kleinen Bryce-Canyon. Hier war es nun wirklich so kalt, wie lange nicht mehr! Der Schnee schien erst eben geschmolzen zu sein und erste Blümchen sprossen auf den Wiesen und Murmeltiere huschten vorbei. Habe ich schon gesagt, dass es kalt war? Die einzige Kultur die es hier gab, war eine Sternen-Party mit Fernrohr bei bewölktem Himmel… Ihr merkt, ich war begeistert von dem Ort! 🙂 Am nächsten Morgen qualmte Emma wie irr. Sie mag die Höhe nicht so sehr und die Strasse kletterte noch ein wenig weiter an. So schnauften wir langsam die Passstrasse hoch und hatten viel Zeit, die Berge rechts und links zu bewundern.

Nach den langen Wochen in der Wüste endlich wieder Wasser und Grün! Mittagsrast am Biberdamm
Die Cedar Breaks
Bryce Canyon in Kleinformat
Über die wilden Uinta Mountains auf schmalen Wegen zum...
Strawberry Lake
letzter Schnee beim Bald Head Mountain

Änet der Berge war nun Utahsches Farmland. Die Örtchen waren nett, die Häuser aus Stein und Backstein. Bei Mt. Pleasent verliessen wir die guten Strassen, holperten durch die Uinta Mountains und über die „Grenze“ nach Wyoming. Hier hatte nun jeder eine Wiese mit Pferden! Um das viele Land beneideten wir die Bewohner ein bisschen, aber hier wohnen? Nö, danke auch! Je weiter wir nach Norden kamen, desto höher wurden die Berge um uns herum. Im Grand Teton N.P. wird diese Bergwelt richtig zelebriert! Bei den Duschen (6 Dollar für einmal duschen!!!) des Signal Mountain Lodge/Campground kamen wir mir Rahel und Luki ins Gespräch, die schon gleichlang wie wir unterwegs sind und auch nach Zentral- und Südamerika wollen. Sie fahren einen VW-Camper, der ihnen im letzten Sommer auf dem Dempster Highway abgelegen ist. So waren sie gezwungen, im kalten Kanada zu überwintern! Brrr!

Obwohl wieder auf allen Wegen Hundeverbot herrschte, suchten wir uns für den nächsten Tag eine kleine Wanderung heraus. Aber dann regnete es und die Wolken hingen so tief, dass die Berge kaum zu sehen waren. Wir fuhren weiter zu Yellowstone, dem ältesten Nationalpark der Welt (1872). Auf der Strasse staute sich der Verkehr und ich dachte, dass bestimmt ein Bär die Ursache sei. Aber es war nur das Nationalpark-Zahlhäuschen! Beim Visitor Center Grant Village deckten wir uns mit Infomaterial ein, checkten für zwei Nächte auf dem Campingplatz ein und tätigten eine Reservation für eine weitere Nacht auf dem Canyon Village Campground. Dann waren wir bereit für die ersten Blubberteiche. Immerhin hatte es zu regnen aufgehört! Auch die nächsten Tage im Park waren schön und wir liefen viele Kilometer auf gut angelegten Pfaden und Boardwalks in den unterschiedlichen Bereichen mit Geysiren herum. Es ist sehr faszinierend, man könnte meinen, der flüssige Erdkern liege nur unter einer dünnen Erd-und Felsschicht. Der Geysir „Old Faithful“ liess nicht lange auf sich warten und spuckte minutenlang eine Fontäne in die Luft. Hier hatte sogar ich Zeit, im richtigen Augenblick auf den Auslöser des Fotoapparates zu drücken! Vor einem Jahr in Island liess mir der Geysir nicht soviel Zeit. Immer wieder schön sind die bunten Tümpel. Blaue Teiche sind in der Regel sehr heiss, die orange Färbung ist auf wärmeliebende Organismen zurückzuführen, das Wasser ist aber nicht ganz soooo heiss. Im Norden bei Mammoth Hot Springs hat es Travertin-Terrassen. Das Gebiet ändert sich fortlaufend. 1990 formte sich die Minervaterrasse. Als wir sie sahen, war sie trocken, nächste Woche könnte aber wieder Wasser über die Stufen hinablaufen. Manche Wasserquellen entstehen neu, andere versiegen vorübergehend oder für immer. Im Park sahen wir erste Bisonherden, Schwarzbären, Pronghorns (Gazellen-ähnliches Tier), Wapiti-Hirsche, Koyoten, Murmeltiere und Pelikane. Die Wolfsrudel liesen sich leider nicht blicken und auch die Elche versteckten sich.

Der Jackson Lake im Grand Teton N.P.
Derselbige am nächsten Morgen!
Der Yellowstone Lake hat etwas viel Wasser
Der Firehole River. So lieblich ist die Landschaft...
und dann blubbert es überall
Old Faithful in voller Fahrt. Eruptionssäule 30 - 55 m, Dauer 1,5 - 5 Min, 14'000 - 32'000 Liter Wasser
Ob es wohl hitzebeständige Unterwasserfilmkameras gibt? Uns nähme schon wunder, wo das Loch hinführt.
Wave Spring
Grotto Geyser
Morning Glory Pool
Tinte und Milch
 
Ob sich die Vögel wohl farblich den Pools anpassen? Dieser sass auf alle Fälle...
...beim Sapphire Pool
Hier müsste jetzt ein gelber Vogel vorbeifliegen
Ein kleiner Geysir, der sich in den Iron Spring Creek ergiesst
 
Ein kleiner Spucker im Norris Geyser Basin
 
Steamboat Geyser ist der grösste aktive Geysir der Welt. Meist dampft er aber nur vor sich hin. Häufigkeit der Eruption? 4 Tage bis 10 Jahre! Da er eben erst am 4. Juni ausgebrochen war, machten wir uns wenig Hoffnung.
Bisonkuh mit Bisonkalb
Diese zwei männlichen Dickschädel halten sich abseits.
Schwarzbärin mit nur einem Jungtier
 
Travertinstufen  bei den Mammoth Hot Springs
 
 
Das Wasser kann nicht all zu heiss sein!
Canary Spring in Mammoth Hot Springs
Grand Canyon of the Yellowstone River

Inzwischen hatte ich meinen Bruder in Saskatchewan/Kanada erreicht und unseren Besuch angekündigt. So wussten wir nun auch, welchen Ausgang wir aus dem Park nehmen mussten. Die Strasse vom Nordost-Ausgang aus führt nach Montana über den malerischen Beartooth Highway, einer 100 km langen Passstrasse vorbei an 3353 m hohen Gipfeln und alpiner Tundra. Es lag noch Schnee neben der Strasse, an einer Stelle türmen sich rechts und links neben uns 4 Meter hohe Schneemaden auf. Auf den kleinen Seen brach das Eis eben erst auf und die schneefreien Wiesen waren sumpfig. Die Strasse windete sich in engen Kurven die Berge hoch, immer wieder nutzten wir die Buchten, um Autos und Töffs an uns vorbeidonnern zu lassen… keiner ist so langsam, wie wir! 🙂 Ganz oben auf dem Pass passierten wir den Parkplatz eines Skigebietes (1 Sessellift). Ja, hier parkiert man sein Auto oben an der Skipiste! Auch die Abfahrt war gleichermassen spektakulär und der Blick ins Tal phänomenal.

Montana hat auch sonst viele Sehenswürdigkeiten und prächtige Natur. … nur nicht auf unserer Stecke! Die Rockies wären bestimmt schön gewesen, aber das hätte uns nach British Columbia oder Alberta geführt, und eben nicht nach Saskatchewan. So fuhren wir Hügel an, Hügel ab durch Weideland. Es ist da auch schön, bloss etwas eintönig. Auf den Wiesen stehen mehr Pferde als Rinder und ich frage mich, was die wohl mit all diesen Pferden machen??? I don’t want to know, know, know, know! Ja, ich weiss, Rinder sind auch schöne Tiere, und die esse ich, ohne mit der Wimper zu zucken! Ab und zu.

Am einzigen 24-Stunden geöffneten Zoll zwischen Montana und Saskatchewan überquerten wir die Grenze und waren nach 9 Monaten das erste Mal wieder auf kanadischem Boden. In der Hauptstadt Regina übernachteten wir mitten in der Stadt auf einem Parkplatz am See und spazierten nach Downtown, das wir kaum fanden, weil kaum vorhanden. In einem Hotel bekam Felix einen Stadtplan und ein paar Tips. Sehr hilfreich, sonst wären wir jetzt noch am Suchen! In einer winzigen Fussgängerzone assen wir auf dem Patio eines Restaurants (da mit Hund) und wurden von einer tollen Sängerin unterhalten, die anlässlich des Jazzfestivals hier aufspielte. Dann spazierten wir zurück zu unserem Parkplatz, wo im Restaurant nebenan eine Hochzeitsgesellschaft bis in die frühen Morgenstunden feierte. Auf der Strasse #6 fuhren wir am nächsten Morgen aus der Stadt in Richtung Norden und übernachteten am Saskatchewan River auf einem Campingplatz im Wald. Das Skigebiet in der Nähe war wieder sehr süss… Ein Skilift einen kleinen Hang hoch. 🙂 Am Ende der Strasse #6 wendeten wir nach links, fuhren durch Smeaton und landeten dann in Shipman. 10 Einwohner zählt das „Dorf“ und einer davon ist mein Bruder David, den ich zuletzt im 2004 in der Schweiz gesehen hatte. Er ist seit über 40 Jahren wieder in Kanada und hat hier seinen Platz gefunden. Er lebt sehr bescheiden, liefert den Bauern der Umgebung im Frühjahr und im Herbst für jeweils 4 Wochen Düngemittel aus, bastelt an seinen Autos und seinem Häuschen rum und geniesst ein Bier oder zwei in der Bar eines benachbarten Dorfes mit etwa gleich vielen Einwohnern. Wir verbrachten da auch einige interessante Stunden, lernten das Wirtepaar , das uns gleich zwei T-Shirts schenkte, einen ehemaligen Lehrer/Bauern und zwei Landwirte kennen. Einer davon lebt nur den Sommer über in einem Wohnwagen auf seinem Land. Das Winterhalbjahr verbringt er in der Stadt, wo seine Familie lebt. Trump finden sie alle doof, aber seine Einwanderungspolitik sei ja nicht schlecht… Die Angst geht auch hier um, dass das Geld nicht für alle reichen könnte… Sie sehe ihre Renten in Gefahr, weil Syrer und Eritreer das Land „fluten“. Viele der Menschen hier haben Namen, die auf „inski“ enden… Es ist wohl überall dasselbe!

Gegen Mittag des nächsten Tages verabschiedeten wir uns von Dave mit warmen Umarmungen, nicht aber bevor ich ein Face-Time mit Mum und Dad organisiert hatte. Die zwei hatten vielleicht Freude, ihren ältesten Sohn zu sehen!

Einen Kilometer weiter nördlich von Shipman endet das Landwirtschaftsland und von hier aus gibt es nur noch Borealen Wald, dann Tundra, dann Eis, und dann Russland. Ein Dorf-Scherz. Wir wollten uns diesen Wald aber ansehen und fuhren auf Schotterstrassen durch die Wildnis des Hohen Nordens. Bei einem Gratis-Campingplatz an einem kleinen See bekamen wir abends noch Besuch von einem echten Medizinmann. Er hatte seine Heilpflanzen-Kenntnisse von seiner Mutter gelernt und sie an seine Enkeltochter weitergegeben. Er zeigte uns einige Kräuter im Wald, erklärte uns, wofür sie gut seien, und wie man sie zubereite. Er sei dabei, ein Buch mit 60 Heilkräutern zu schreiben, fahre dafür aber bis nach Alberta und British Colombia hinein, um diese Pflanzen zu finden und zu fotografieren. Felix und ich sind einfach kerngesund und brauchen weder etwas für unsere Nieren, noch für unsere Prostata! 🙂 Aber gegen Mücken kannte er kein Mittel, ausser der Zigarette, die er ständig im Mundwinkel hatte.

Die "Rückseite" des Beartouth Passes
Nachwuchs bei den Kanadagänsen am Wascana Lake (Wascana bedeutet Knochenhaufe. Hier in der Gegend wüteten die Bisonjäger besonders, darum der ursprüngliche Name der Stadt)
Dowmtown Regina am Samstag wie ausgestorben...
Auf dem Heimweg begegneten wir diesem Biber am Wascana Lake
Das Legislative Building
Der North Saskatchewan River
Meines Bruders Garten
FaceTime mit zu Hause
Durch eben erst bepflanzten Äckernschnurgerade dem borealen Wald entgegen

Edmonton in Alberta war unser nächstes Ziel. Hier gibt es einen Landcruiser-Spezialisten und unsere Emma brauchte ihren 60’000 km-Service. Da musste viel gemacht werden. Wir bekamen für den nächsten Tag einen Termin und würden am Samstag dann weiterfahren. Wir verbrachten diesen Tag in unseren Campingstühlen im Hinterhof der Garage, wanderten zeitweise zum Tim Hortons zum Essen und für WC und WiFi und waren am Abend geschaffter als der gute Arbeiter! Leider musste der Benzinfilter bestellt werden und würde erst am Montagnachmittag geliefert werden. Blöd aber auch! Der nette Campingplatz mit vielen Spazierwegen war fürs Wochenende ausgebucht und wir mussten in einen Vorort ausweichen und den Hund den Strassen nach spazieren führen. Dafür konnte Felix endlich wieder mal arbeiten 😉 Den Montag morgen verbrachten wir im grössten Shoppingcenter von Amerika. Hier ist ein Vergnügungsbad mit Rutschen, ein Kinokomplex, eine Eisbahn, eine Indoor-Achterbahn, ein Riesenspielplatz, ein Geschichten-Schiff (Nachbau von Columbus Schiff), eine Seehundeshow und ein Hotel angeschlossen. Wir stürzten uns gemeinsam in den Bücherladen, danach trennten wir uns wie üblich in solchen Einrichtungen. Natürlich kam ich zu spät zu unserem Treffpunkt und nicht nur, weil ich mich verirrt hatte…! Nicht schlecht staunte ich, dass man hierher auch Schulausflüge macht, und nicht etwa zum Schwimmen. Ja, weshalb habe ich denn das Glattzentrum nie als Ziel unserer Kindergartenreise gewählt?

Felix kannte sich auf den Strassen von Edmonton inzwischen super aus, so fanden wir schnell wieder zur Garage und eine Stunde später nach Norden aus der Stadt heraus.

Da wir immer noch genug Zeit hatten, beschlossen wir, der Hauptstadt der Northwest Territories, Yellowknife, einen Besuch abzustatten. Das Land war flach, die Strasse gerade und um uns nur Wald. Endlich liessen sich dann aber die riesigen hiesigen Bisonherden blicken. Sie grasen links und rechts der Strasse die Wiese ab. Meistens auf beiden Seiten gleichzeitig, was einem zum Halten zwingt. Auch das Laufen auf der Strasse scheint bei diesem Regenwetter angenehmer zu sein! Ja, das Wetter ist unfreundlich. Bären sehen wir deshalb nicht. Ein Einheimischer erklärte, dass sie dieses Wetter nicht mögen und sich in den Wald zurückziehen würden. Ah doch, wir haben einen gesehen. Der überquerte die Strasse und lief in den Wald, wo wir einen Übernachtungsplatz suchen wollten. Und wer war dran, mit dem Hund zu spazieren??? Keine Bärenglöckchen um sie auf uns aufmerksam zu machen und keinen Bärenspray für den Ernstfall! Ich dachte kurz darüber nach, mit zwei Pfannendeckeln Lärm zu machen, verwarf diese Idee aber sogleich, weil unsere Deckel aus Glas sind. Aber wir waren ja eben erst auf den Waldweg abgebogen und bei der Weiterfahrt verschlimmerte sich dessen Zustand zusehends. Wir schlitterten über den aufgeweichten Boden und wussten, dass das hier nichts würde mit übernachten. Aber wo umkehren? Felix kann das auf einem Unterteller! 🙂 Das war in diesem Bereich unser einziger Versuch, wild zu übernachten. Das Land ist hier im hohen Norden einfach zu nass. Es gibt ja auch nett angelegte Campingplätze mit geheizten Duschhäuschen!

Wir umrunden den riesigen Slave Lake und erreichten nach drei Tagen und 1500 Km Yellownkife und das Visitor Center, das just dann schloss. Die Dame war aber so nett, liess uns kurz rein und deckte uns mit Kartenmaterial und guten Tips ein. So waren wir für die Stadtbesichtigung am nächsten Morgen gerüstet. Viiiiiel zu sehen gibt es allerdings nicht. Die Neustadt hat einige kleine Geschäfte, das schönste Schulhaus, das wir auf dem amerikanischen Kontinent gesehen haben, ein winziges Spital, einen winzigen Flughafen, ein einigermassen sehenswertes Museum und das moderne Legislative Assembly Building. Yellowknife besitzt aber noch einen zweiten Stadtkern, nämlich die „Old Town“ (1934!!!) Für einen ersten Überblick bestiegen wir die zehn Stufen des Hügels auf dieser Landzunge. Im See lagen bunte Hausboote und wir schauten dem Beladen und Starten der Wasserflugzeuge zu. Ein Mann sprach uns an und fragte, ob wir auch mit dem Wasserflugzeug irgendwohin fliegen würden? Er schon. Seit 40 Jahren kommt er mit befreundeten Familien hierher und lässt sich zu einem Haus an einem einsamen See fliegen. Für drei Wochen. Der Herr und seine Freunde kommen aus Norwegen! Bei mir im Hirn begann es wiedermal zu rattern. Yellowknife? Norwegen? Ist doch Hans wie Heiri!

Wir spazieren weiter. Ich muss schon sagen, hier haben sich einige Leute sehr schöne Häuser direkt am See (Durchschnittstemperatur 5°C) gebaut. Auf dem Rückweg betraten wir ein Geschäft mit allem möglichen und unmöglichen. Ganzkörper-Moskitonetze, Mokasins, winterwarme Jacken und Hosen, Kaffeemaschinen, Anglerausrüstung, Seile am Meter, Fischerstiefel bis unters Kinn neben Gurken und Steaks. Sehr interessant und das „Schneugge“ kostete beinahe soviel Zeit, wie die ganze Stadtbesichtigung.

Am Nachmittag fuhren wir noch ein Stück weiter nördlich auf dem Ingram Trail, einer buckligen Strasse. Diese endet schon nach 70 km beim Tibbitt Lake. Zumindest im Sommer endet die Strasse hier. Im Winter beginnt hier die Winterroad, auf der die Diamantminen noch weiter nördlich beliefert werden. Felix ist fasziniert und möchte mal einen Winter hier verbringen. Ich liesse mich dazu überreden, wenn ich diese super dicke warme Jacke und Hose aus dem lustigen Geschäft haben darf. Beides zusammen lediglich 2000 Kanada Dollar.

Passt zur Abwechslung in die Garage!
Alles noch da und am rechten Ort
Unsere Day-Use-Area zwischen Uralt-Landcruisern
Schulreise ins Shoppingcenter mit Lunch am Wasser
 
Alexandra Falls des Hay River und nur 2 Km weiter...
...die Louise Falls.
Kunst in Yellowknife
Blick vom Aussichtshügel mit "Pilots Monument" Richtung modernes Stadtzentrum
Hausboote auf dem Great Slave Lake.
Wir haben noch immer keinen Elch gesehen! Zur Not tuts auch dieser im Prince of Wales Northern Heritage Museum
Ein kurzer Spaziergang vom Ingraham Trail aus zu den Cameron Falls...
...und dem Hidden Lake
Anstelle der Wasserflasche, tragen wir jetzt was anderes mit auf Spaziergängen
Ende des Ingraham Trails, Beginn der Winterroad
Waldbisons an der Strasse
Und noch ein brauner Fluss!!

Uns zog es westwärts auf dem Mackenzie Hwy Richtung Fort Simpson. Endlose Wälder und unzählige Seen. Und Bisonherden im Regen. Hier fahren so wenige Autos, dass man sich beim Kreuzen noch freundlich zuwinkt. Mehr als fünfmal am Tag muss man die Hand aber nicht heben!

Um Fort Simpson, das am Zusammenfluss von Mackenzie und Liard River liegt, zu erreichen, muss man die Fähre über den Liard River nehmen. Der breite Fluss war braun vom vielen Regen und ganze Bäume wirbelten an uns vorbei. Vor zwei Tagen war die Fähre ausser Betrieb, weil einer dieser Baumstämme die Schiffsschrauben lahmgelegt hatte. Na Prost! Während ein Bagger Erde herumschaufelte und die Auffahrt auf die Fähre ausbesserte, beobachteten wir, wie unser Schiff sich mühsam durch den reissenden Strom kämpfte. Ok. Wenn es diese Strecke schaffte, dann auch die zurück. Wir waren aber schon froh, als wir wieder an Land waren! Auf unserer weiteren Reise begegneten wir dem Liard Fluss immer wieder und er wurde mir nie sympathischer! Ich stelle fest, dass ich so Riesenungeheuer-Flüsse nicht mag.

In Fort Simpson fand am Vorabend des Canada Day (1.7.) das Open Sky Festival statt. In einer Gemeinschaftshalle konnte man an verschiedenen Tischen unter Anleitung etwas basteln. In einer weiteren Halle fand ein „Hand Game“ Turnier mit First Nations aus allen „umliegenden“ Ortschaften statt. Vom blossen Zusehen erhellte sich uns Sinn und Zweck dieses Spieles nicht. Das Internet half nach.

Wir übernachteten auf dem Campingplatz und lernten dort am nächsten Morgen einen Berner kennen. Er paddelt mit einem Kanu ganz alleine den Mackenzie River, einem der grössten Flüsse der Welt, hinunter. Eigentlich sei jetzt hier oben die Trockenzeit, bei dem vielen Wasser, werde sich seine Fahrt um einige Tage verkürzen, so schnell sei er unterwegs. Um den Fluss zu queren brauchte er 800 Meter! Da überlege man sich schon, ob das Sinn mache. Manchmal sei es auch einfach unmöglich. Ich beneide ihn nicht. Da sitze ich viel lieber in meinem Kabinchen und strecke den Regentropfen die Zunge heraus. Der Berner (ich habe seinen Namen vergessen 😮 ) erzählte uns, dass die Fähre etwas weiter unten an der Strasse nach Wrigley geschrottet sei. Das hätten der Liard gemeinsam mit dem Meckanzie River zustande gebracht. Jetzt muss der Ort wohl aus der Luft versorgt werden! Und er wird weiter auf diesem Monster paddeln. Wir verliessen den Ort auf der Strasse, nahmen wieder die alte Fähre und befuhren den unbefestigten Liard Hwy nach Fort Liard, wo wir auf einem Gratis-Zeltplatz an einem See übernachteten. Ein Wanderweg führte um den See und wir montierten in weiser Voraussicht die Gummistiefel. Das erste Drittel des Weges war noch ok, danach lief man mehrheitlich im Sumpf. Ganz einsam durch den tiefen Wald. Bärenwald. Ich ärgerte die Bären und Felix mit allen erdenklichen Liedern und keuchte durch das mückenverseuchte Gebiet hinter Felix und Filou her. Wenigstens regnete es nicht. Beim „Skihügel“ (einem gerodeten Hang am Nordende des Sees) begegneten wir einem Bisonbullen, der uns warnende Blicke zuwarf. Wir matschten schnell weiter und waren froh, endlich die Strasse und unseren Campingplatz zu erreichen.

Am nächsten Morgen fuhren wir in den Ort hinein zu Tanken und Einkaufen. Alles machte aber erst in einer Stunde auf und nach einem Blick auf den Benzinstand beschlossen wir, nicht zu warten.

Kurz darauf endete der Liard Hwy am Alaska Hwy. Unser Reiseführer blabberte was von „nicht mehr, was es einmal war“ und „viel Verkehr“. Uns gefiel es auf dieser Strasse auf Anhieb! Waren wir zuvor tagelang auf geraden Strassen durch dicht bewaldetes Flachland gefahren, so fuhren wir nun… durch dichten Wald. 😉 ABER: es ging hügelan, hügelab und die Ausläufer der Rocky Mountains bildeten einen schönen Hintergrund. Natürlich hatte es viel mehr Verkehr, hauptsächlich Wohnmobile und Wohnwagen, aber so übel wie am Brüttiseller Kreuz ist es noch lange nicht! Wir fanden dank IOverlander einen wunderbaren Übernachtungsort an einem Flüsschen und gönnten uns einen faulen Nachmittag. Gegen Abend begann Filou plötzlich seltsam hin und her zu schwanken und wenn er sich hinsetze, fielen ihm die Augen zu. Wir waren alarmiert. Er wollte auch nicht spazieren gehen. Hatte er etwas Giftiges gegessen? Hatte er wieder einen Bandscheibenvorfall? Wir fragten unsere Platznachbarn nach dem nächsten Tierarzt und sie gaben uns Telefonnummer und Adresse. 5 Autostunden entfernt! 5 Stunden! Wir entschieden uns, noch eine Stunde zu warten, da es eh kaum dunkel wurde, kam es darauf nicht so an. Und nach und nach ging es Filou besser. Wir spazierten ihn alle 30 Minuten und liessen ihn dann wieder schlafen. Um 22.00 Uhr war er über dem Berg und wir konnten beruhigt zu Bett gehen. Am nächsten Morgen war er wieder der Alte und Felix meinte, er hätte sicher einen weggeworfenen Joint gefressen. Wer weiss?

Die Landschaft um uns herum war einfach schön, der Muncho Lake in Jadegrün eine Augenweide und wir genossen die langen Fahrzeiten mehr als auch schon. Es sind auch viel mehr Europäer, sprich Deutsche und Schweizer unterwegs und wir plauderten mit lang- und kurzzeitreisenden. Zwei davon waren Bernd und Heike, die seit 5 Jahren auf dem amerikanischen Kontinent unterwegs sind und auch einen AlphaCab/Landcruiser von Marco fahren. Bei den Liard Hot Spring buchten wir uns gleich für zwei Nächte auf dem dazugehörenden Campingplatz ein und weichten im heissen Wasser die Dreckkruste auf unserer Haut ein. Leider konnten wir das Womo nicht mit ins Wasser nehmen, das hätte ein Bad noch dringender nötig gehabt. Das Städtchen Watson Lake, der erste Ort im Yukon, wartet mit einem einzigartigen Schilderwald auf. Reisende aus aller Welt nageln an Holzpfosten Ortstafeln, Autokennzeichen, Wegweiser und allerlei sonst beschriftete Tafel an. Inzwischen hängen da weit über 70’000 Schilder! Begonnen hat es damit, dass ein heimwehkranker Alaska Hwy-Strassenbauer um 1940 ein Schild seines Heimatortes aufhängte. Andere Arbeiter taten es ihm gleich, dann folgten Lastwagenfahrer und Touristen aus aller Welt. Wir spazierten durch den Schilderwald und schmunzelten über Wegweiser nach Winterthur Töss, eine Ortstafel aus Willisau und vielen gefälschten Autokennzeichen. Danach schauten wir uns einen Film über Nordlichter an (ich schaute, Felix schlief) und füllten unsere Vorräte wieder auf. Unsere Schränke und Kühlboxen waren schon lange nicht mehr so leer gewesen.

Am nächsten Tag würden wir die letzten 300 Km auf dem Alaska Hwy fahren. Dann folgt ein Abstecher nach Atlin, Skagway und Haines, bevor es über Whitehorse wieder weit nach Norden geht.

Auf der Fähre über den Liard River nach Fort Simpsom
Die Bagger stehen bereit, um die Anlegestelle fortlaufend auszubessern
Zwei Mannschaften sitzen sich beim "Hand Game" gegenüber
Wichtige Turnierregeln!
Der Zusammenfluss von Mackenzie und Liard
Ein Gewitter zieht auf über "Papal Site" in Fort Simpson
Wer hier campiert, kommt vorbereitet!
Unser Übernachtungsplatz am McDonald Creek
Muncho Lake am Alaska Highway
Die jadegrüne Färbungwird von Kupferoxiden verursacht
Trout River
Die Liard River Hotsprings
Einzige Hängebrücke des Alaska Highways, 1944 fertiggestellt
1/4 des Liard Rivers
hier alle vier Flussarme
 
Schwarzbär am Strassenrand liess sich durch uns nicht stören
Schilderwald in Watson Lake

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