Guatemala, 20. Bericht

10.5. – 16.6.2019

Guatemala ist etwa doppelt so gross wie die Schweiz, hat aber ca. 17 Millionen Einwohner. Das merkt man gut, wenn man durchs Land fährt: überall wohnen Menschen! Die Häuser sind meist sehr ärmlich und bestehen aus einem Raum, oft mit gestampftem Erdboden. Erhascht man einen Blick ins Innere, sieht man einige Hängematten oder auch Betten. Gekocht wird draussen, das WC ist ebenfalls ein separates Bretterbüdchen. Die Wäsche wird im Bach oder Fluss gewaschen, hat ein Haus aber fliessend Wasser, wird dafür auch ein Beton-Waschtrog benutzt. In diesen Waschtrögen werden auch Fische und Zähne geputzt (oder das vielleicht nicht? Die Milchzähne vieler Kinder sind schwarze Stummel und die Erwachsenen zeigen ein Goldgebiss), Geschirr und Gemüse gewaschen und Kleinkinder gebadet. Aber lange nicht alle haben fliessend Wasser. Oft sieht man Frauen und Mädchen mit Plastikkrügen auf dem Kopf Wasser holen gehen. Wie man bei uns Kinderbesen kaufen kann, gibt es die Krüge in verschiedenen Grössen, damit schon die kleinsten Mädchen ihre Aufgabe wahrnehmen können. Frauen tragen alles auf dem Kopf, Riesenkörbe mit Obst, Gemüse und Wäsche, zu verkaufende Souvenirs, Gebäck und sogar Blumensträusse werden gekonnt ausbalanciert. Geht Frau einkaufen, wird alles in ein riesiges Tuch gewickelt und dann auf den Rücken gebunden. Wenn da nicht schon ein Kleinkind hängt… Die Mütter sehen aus, als ob sie kaum über 20 Jahre alt sind. Zu jeder Tageszeit sieht man viele Kinder auf den Strassen und um die Häuser. Wir fragen uns, ob die wohl nachts zur Schule gehen? Schulbeginn wäre um acht Uhr, Schulende ist um 12, wobei man die jüngeren Schüler dann noch mit Plastikschüsselchen für Essen anstehen sieht. Mit dem gefüllten Teller (Bohnen mit Rührei?) machen sie sich auf den Heimweg. Wer nicht zur Schule geht, bekommt wohl auch kein Gratis-Mittagessen!

Obwohl das Rad längstens erfunden ist und überall Schubkarren zum Kauf angeboten werden, tragen die Männer grosse Gewichte auf dem Rücken, mit einem Band über die Stirn abgestützt. Die Last ist oft so schwer, dass die Träger ihre Füsse kaum mehr heben können!

Wohin man auch schaut, Armut allenthalben. Und dann liesst man, dass die Guatemalteken die glücklichsten Menschen der Welt sind!

Die müssen schon aufpassen, dass nicht ausversehen das Kind im Tuch auch oben auf dem Dach des Colectivo landet!
Frauen tragens auf dem Kopf, "Männer" auf dem Rücken
Jeder Hügel ist bis weit oben bepflanzt
In grösseren Dörfern gibt es auch noch Gemeinschaftswaschhäuser
Die Last hält nur durch das Stirntuch auf dem Rücken
 

Wir reisten am Muttertag (war in Guatemala am Freitag dem 10. Mai) nach Guatemala ein. Die Zollformalitäten brauchten Zeit, waren aber problemlos. Einige Reisende schreiben jeden Schritt penibel auf und wir müssen nur noch nachlesen und nachmachen! Hier mal ein grosses Danke an alle vorgängigen Overlander! Aber heiss war es! Um das Wohnmobil temporär einzuführen, mussten wir lange anstehen. Mich brauchte es dazu eigentlich nicht, so beschloss ich, dass der arme Hund im Auto viel zu heiss hat, und ich die Klimaanlage für ihn einschalten und mit ihm teilen sollte… Ebenso machten wir es beim ersten Lebensmittelgeschäft :). Mit neuer SIM-Karte und Lebensmitteln ausgerüstet, machten wir uns auf den Weg zur ersten Maya-Ruine „Yaxha“, dort wollten wir am gleichnamigen See unsere erste Nacht im neuen Land verbringen. Nach 11 Kilometern auf holperiger Piste, zwei Kilometer vor dem Ziel steht das „Kassenhäuschen“ und hier endete unsere Fahrt: No Mascotas, keine Haustiere! Wiedermal war ich überzeugt, dass es in den Dörfern am See von Hunden wimmeln dürfte… Wir drehten um und fuhren bis nach El Remate am Lago de Peten Itza. Hier übernachteten wir direkt am Wasser und sassen stundenlang im kühlen Nass. Für den nächsten Tag standen die Ausgrabungen von Tikal auf dem Programm. Da Filou dort nicht einmal im Auto erwünscht war, fanden wir eine Familie, die auf ihn aufpasste. Das heisst, er wurde an einen Baum gebunden und mit Wasser und Tortillas versorgt und freute sich am Abend sehr, uns wiederzusehen.

Tikal ist eine faszinierende Ausgrabungsstätte mitten im Dschungel. Aussergewöhnlich sind die sehr steil aufragenden Pyramiden. Einige darf man via Holztreppe besteigen und hat einen wunderbaren Blick über das wuchernde grün des Urwaldes. Nur die Dächer der anderen hohen Gebäude sind über den Baumwipfeln zu sehen. Unter dem dichten Blätterdach turnen Klammer- und Brüllaffen herum und Nasenbären stöbern zwischen den 2’200 Jahre alten Tempeln, Plazas, Palästen und Pyramiden. Obwohl recht viele Touristen hier unterwegs waren, fanden wir auf dem riesigen Gelände ruhige Ecken und Ruinen ganz für uns alleine. Müde kehrten wir zu Filou zurück, übernachteten zum Dank gleich bei der Familie und assen in ihrem bescheidenen Restaurant zu Abend. Die Teenager-Töchter des Hauses mussten mit anpacken, während die Jungs sich mit Fussballspielen vergnügten.

Sonnenuntergang am Lago Peten Itza
Eine der fünf steilaufragenden, hohen Tempel in Tikal
Ein hungriger Nasenbär
Maya-Ritual für Touriste!
"Was machen diese Touristen für seltsame Sachen"?
Tempel II
Mennoniten zu Besuch aus dem nahen Belize
höher als die Bäume
 
aus dem Dschungel gewachsen
Felix auf dem Tempel IV, 64,4 Meter über dem Boden
 
Der Tempel IV
sieht wie ein Herrenhaus aus!
 
Stelen beim Gran Plaza
nochmals ein Blick von weit oben
Zurück am Lago Peten Itza

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Flores, einem touristischen Städtchen auf einer kleinen Insel im Peten Itza See. Nach einem Spaziergang durch die Gassen und einem guten Kaffee hatten wir es eigentlich gesehen. Viele Reisende bleiben hier einige Tage, weil das Angebot an Ausflügen gross ist und das gemütliche Örtchen eine gute Ausgangslage bietet. Wir fahren aber nicht alle, aber viele Sehenswürdigkeiten selber an. So landeten wir nach einer kurvenreichen, steilen Fahrt bei den Cuevas de Candelaria. Eine indigene Dorfgemeinschaft betreibt hier eine Cooperativa mit Höhlenbesichtigungen auf ihrem Dorfgebiet. Wir verabredeten uns für zwei Touren am nächsten Morgen, jetzt am Abend wollten wir uns lieber im Fluss abkühlen und dann den Hund spazieren führen. Die von Autos befahrbare Strasse endet bei der Cooperativa. Um ins eigentliche Dorf zu gelangen, muss man den Fluss auf einer baufälligen, Holzbrücke ohne Geländer überqueren. Die Einheimischen brausten da mit ihren Motorrädern drüber und Kinder jeden Alters mit ihren Fahrrädern! Ich balancierte drüber, beobachtete die im Fluss stehenden Frauen und Mädchen beim Wäschewaschen und ärgerte mich leicht, dass sich die Männer mit den Jungs ein vergnügliches Bad gönnten. Kurz darauf kam ich zum Fussballfeld. Anscheinend waren die Fussballer des Nachbardorfes zu Besuch und es ging hoch zu und her. Nicht nur, dass sich 22 Männer auf dem Platz tummelten und einem Ball hinterher wetzten, nein, Pferde, Kinder, Schweine, Hunde und Frauen spazierten kreuz und quer über den Platz und keiner der Fussballer schien deswegen bekümmert! Ja, und genauso neugierig, wie ich die Indigenas beobachtete, wurde ich beobachtet!

Am nächsten Morgen besuchten wir mit einem Guide zuerst die weitverzweigte trockene Höhle. Ohne Führer hätten wir uns bestimmt verlaufen! Nach einer kurzen Pause ging es mit Schwimmweste und Reifen zur nassen Höhle. Hier kann man sich für gewöhnlich auf dem Fluss durch die Unterwelt treiben lassen. Jetzt, zu Beginn der Regenzeit hatte der Fluss wenig Wasser, so dass wir mit den Armen kräftig paddeln und einige Male auch durchs Wasser waten mussten. Am Ende der Höhle ging es einen schmalen, rutschigen Trampelpfad steil und weit nach oben, der einzige Weg aus der Tiefe. Unten im Fluss waren junge Frauen dabei, Wäsche zu waschen. Sie waren mit ihren schweren Lasten hier heruntergekraxelt und mussten da auch wieder hoch! Ich sagte etwas darüber zu unserem Guide, und der meinte nur lakonisch, die seien sich das ja gewöhnt… Ich sprach eine der Frauen an und sagte ihr, sie hätte einen wunderschönen Rock an. Sie starrte mich nur etwas verwirrt an und Felix meinte, sie verstehe mich nicht. In den Dörfern wird hauptsächlich eine der vielen Maya-Sprachen gesprochen, wer nie zur Schule ging, spricht kein Spanisch!

Am selben Abend erreichten wir auf einer gaaaanz schrecklichen „Strasse“ Lanquin. Was so schrecklich war daran? Es ging bergauf und bergab um 10’000 Kurven, durch kleine Dörfchen, auf schmalen, steinigen Rumpelpisten. Der Gegenverkehr bestand hauptsächlich aus Lastwagen, Viehtransportern und Kleinbussen. Wer bergwärts fährt, hat Vortritt, das heisst, dass man im Rückwärtsgang den steilen Weg wieder hoch musste, bis ein passieren des Gegenverkehrs möglich war. Selbstverständlich ging es neben der Strasse steil runter… Der Weg war wirklich in einem miserablen Zustand. Ab und an trafen wir auf männliche Dorfbewohner, die mit Spitzhacken am Strassenrand standen und von uns Passiergeld verlangten, weil sie die Strasse in Stand gesetzt hatten. Die wollten nicht gerade wenig und zu Spässen waren sie auch nicht aufgelegt. Moderne Wegelagerer! Alles verhandeln nützte nichts und unsere Rettung war jedes Mal ein einheimisches Fahrzeug, das nicht an uns vorbeikam. So wurde das gespannte Seil heruntergelassen und die schweren Steinblöcke zur Seite geschoben und wir ergriffen die Flucht. Bis zum nächsten Mal. Ich kann euch sagen, ich war sehr froh, als wir in Lanquin ankamen! Wir übernachteten bei einer Tankstelle am Dorfeingang. Nicht gerade ein romantischer Ort und nicht eben ruhig, aber mit sauberen WCs und warmen Duschen! Die Tankgehilfen kamen allenthalben auf einen Schwatz vorbei, erzählten etwas von sich und waren sehr neugierig, was unsere Reise und unsere Heimat anbelangte.

Am nächsten Morgen rumpelten wir weiter zum Naturwunder von Semuc Champey. Oberhalb der türkisfarbenen Becken verschwindet ein Grossteil des Rio Cahabon im Boden. Das restliche Wasser fliesst gemächlich über Kalksteinstufen und bildet tolle Schwimmpools. Wir genossen zuerst ein erfrischendes Bad und liessen uns die Füsse, Beine und Arme von dutzenden Fischchen abknabbern. Dann stiegen wir steil den Hang hoch zum Mirador. Eine anstrengende, aber lohnenswerte Kletterpartie… Natürlich sind wir danach so verschwitzt, dass wir gleich nochmals baden müssen, bevor es zu Fuss über die löchrige Holzbrücke zurück zum Womo und zu Filou ging. Die Brücke wäre eigentlich befahrbar, selbst mit unserem Gewicht. Aber wir trauten uns nicht… 🙂

"drapierte Vorhänge" im trockenen Höhlensystem Candelaria
Eine von vier "Ventanas" (Fenster) in der nassen Höhle von Candelaria
Herrliche natürliche Becken laden in Semuc Champey zum Baden ein
Fusspflege
Blick vom Mirador auf die sechs Sinterterrassen mit türkisen Wasserbecken
 

Über Coban (nicht zu verwechseln mit der Mayastätte Copan in Honduras) fuhren wir in die Berge und über 3’000 Meter hohe Pässe. Bis ganz oben breiteten sich entlang der Strasse Indigenendörfer aus, die Berghänge mit Mais bewachsen, die Talböden fürs Vieh. Es war erstaunlich kühl und die Luft Feuerrauch-geschwängert. In den Bergen tragen alle Frauen und Mädchen traditionelle Kleider und die handgewobenen und bestickten Stoffe sind eine wahre Freude. Man (ich) könnte einem Kaufrausch verfallen, wenn irgendwo in unserem Zuhause auf Rädern noch ein paar cm3 Platz wären…

Auf einer Passhöhe fuhren wir in eine Nebelwand hinein, und auf dem ganzen Weg hinunter nach Todos Santos Cuchumatan begleitete uns Starkregen und Hagel. Gegen Abend klarte es auf und wir machten einen Spaziergang durchs Dorf. Hier trugen nun auch alle Männer traditionelle Kleidung: Rotgestreifte Hosen und reich bestickte Hemden. Wir waren hier absolute Exoten und wurden angestarrt und es „betuschelt“ :). Wir verweilten hier nicht lange und fuhren zurück undweiter nach Chichicastenango, zum grössten Indigenen-Markt von ganz Zentralamerika. Der Markt findet 2 Mal wöchentlich statt und die Mayas der umliegenden Dörfer strömen mit Tieren, Nahrungsmittel und Textilien in die Stadt und verkaufen ihre Waren an Mayas aus den umliegenden Dörfern. Wir campierten auf dem Parkplatz eines Hotels, der ebenfalls als Kleinbus/Pickup-Parkplatz genutzt wird. Nachdem wir stundenlang durch das Gewühl an Marktständen und Menschen spaziert waren, konnten wir von unserem Wohnzimmer aus das Ent- und Beladen der Busse beobachten. Die in Tücher gewickelten Einkäufe wurden auf die Dächer gebunden, die Passagiere wurden ins Wageninnere gequetscht. Gut, wenn man da einen Fensterplatz ergattern konnte!

Da die Strassen für uns am Markttag kaum passierbar waren, fuhren wir am Vortag an und verliessen die Stadt erst am Tag danach. Während der drei Tage auf dem Parkplatz fütterten wir eine frischgebackene Hundemama mit durch und liessen, nach Absprache mit dem Hotel, einen grossen Sack Hundefutter zurück. Wir hoffen, der Hündin und den sieben Welpen geht es gut.

In den Gassen von Coban
Da kann man sich nicht satt sehen!
Die Damen stehen für frische Tortillas an
Die bunten Häuschen im Hintergrund sind Gräber auf dem Friedhof von Chichicastenango
Markttag in Chichi! Geflügel und Hasen werden gleich bei "unsere" Parkplatz zum Kauf angeboten
Hahn mit Hennen im Korb
Frischgeborene Welpen einer streunenden Hündin! Und nein, ich habe nicht allen sieben einen Namen gegeben! Nur der Mama...
Marktbetrieb
unten Jupes, oben besticktr Blusen
Stickgarne in allen Farben!
Mais
Blumenmarkt auf den Treppen der Capilla de Calvario
Gar nicht so einfach, vier Schweine unter Kontrolle zu halten!
Männer anscheinend auch nicht...  😉
Die Einkäufe werden auf dem Dach des Colectivos verzurrt
Die Sitzplätze sind schon besetzt, es gibt aber noch Stehplätze!
Vielleicht ist da die Ladefläche eines Pickups die bessere Wahl?
Auf dem Weg in ein neues Zuhause
Der süsse Fratz hat Glück: Sitzplatz am Fenster
In guter Gesellschaft - Toyota
Das Hotel Santo Tomas war früher ein Kloster

Wir waren Urlaubsreif und entschlossen uns, an den Lago de Atitlan zu fahren. Der See ist ein riesiger Kratersee ohne überirdischen Abfluss und von Vulkanen umgeben. Uns erinnerte die Gegend ans Tessin und wir genossen auf dem Campingplatz des Franzosen Pierre in San Marco faule Tage. Vom Platz eignen Steg aus winkten wir Wassertaxis heran, die uns nach San Pedro oder nach Panachel brachten. Oder wir verschliefen und verlasen den Tag in Hängematten und Liegestühlen. Wie schnell so eine Woche vergehen kann…

Der nächste Übernachtungsplatz stand im krassen Gegensatz zum Lago de Atitlan: ein Walmartparkplatz in Quetzaltenango. Unsere Emma hatte einen Termin für den nächsten Tag in einer Toyotagarage. Obwohl Emma noch nie in so einer vornehmen Garage behandelt wurde, zog sich der Service solange hin, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken war. Was eine zweite Nacht bei Walmart nach sich zog… Aber immerhin entdeckte Felix in der Umgebung eine französische Bäckerei…

Das Wetter war echt doof, immer wieder Regen und kühl. Wir entdeckten im Reiseführer heisse Quellen Fuentes Georginas und machten uns gleich auf den Weg. Nach einem Zwischenhalt in einer Glasbläserei stieg die Strasse steil an, rechts und links waren selbst die kleinsten Fleckchen Erde mit Gemüse bepflanzt. Die „Pflanzplätze“ massen etwa 10 x 10 Meter und alles fand in Handarbeit statt. Das geerntete Gemüse wurde gleich neben der Strasse in grossen Netzten gewaschen und auf wartende Pickups geladen. Gegen den Regen schützten sich die Feldarbeiter mit Plastiksäcken, die sie sich um die Schultern banden. Wir erreichten zur Mittagszeit die heissen Quellen mit Umkleidekabinen, Restaurant und Cabañas, wo wir uns gleich ins Nass stürzten, das sich nach einer halben Stunde gar nicht mehr heiss anfühlte, sondern eher schon kühl. Wir staunten ob der Anzahl guatemaltekischer Besucher für einen gewöhnlichen Mittwoch! Nach einem wärmenden Mittagessen machten wir uns auf den Weg zur Laguna Chicabal. Wenn man ein 4×4 Auto mit Untersetzung und etwas Bodenfreiheit hat, kann man weit nach oben fahren und auf einem Fussballfeld übernachten. Es braucht dazu aber auch noch etwas Mut, das weiss man aber nicht, wenn man unten steht… wenigstens hatte es aufgehört zu regnen! Es war der Vorabend zur Auffahrt und während wir den Schlaf suchten, wurde um uns herum gequatscht und gelacht und nur nach wenigen ruhigen Stunden begannen Pickups die grosse Wiese zu füllen. Ich staunte ab den Mayafrauen in ihren schönen Trachten mit Ballerinas oder Flipflops an den Füssen und Blumensträussen auf den Köpfen. So wanderten sie den steilen, matschigen Weg auf den Vulkan hoch und zum Kratersee hinunter. Wir stapften mit gutem Schuhwerk hinterher und wunderten uns, was da wohl los sei. Rund um den Kratersee standen Familien zusammen, die Blumensträusse standen im Uferbereich des Kratersees, Kerzen brannten und die Mayas standen mit gesenkten Köpfen davor und murmelten Fürbitten. Wir liefen um den See, beobachteten die Familienfeste (auch Uroma und Uropa hatten es bis hierher geschafft) und Schamanen bei der Arbeit. Hier wurden wieder ganz selbstverständlich die Bräuche der Urahnen mit dem Christentum vermischt und gelebt. Nachdem der Regen wieder einsetzte, machten wir uns auf den Weg zurück zum Wohnmobil und dann die rutschige Schlammpiste hinunter ins Dorf.

Der Lago Atitlan vom Campingplatz bei San Marco aus gesehen
Drei Vulkane auf einen Blick! Von links: Volcan Toliman, rechts dahinter der Volcan Atitlan und rechts der Volcan San Pedro
Dame mit Hund
Gemüseanbau ist Handarbeit
Die warmen Quellen von Fuentes Georginas
Fuentes Georginas im Nebel
Ausblick vom Vulkan Chicabal
Die Laguna Chicabal am Abend vor Auffahrt. Ruhe vor dem Ansturm...
Am Auffahrtstag pilgern Mayas zur Lagune...
Blumensträusse werden in den Kratersee gestellt und Kerzen angezündet
Christentum wird mit Schamanismus verbunden
Wenn die eigenen Gebete und Fürbitten nicht reichen, hilft ein Schamane weiter
Doppelklick...
Grossfamilien und Freunde traffen sich zum Picknick. Bei Nebel und bald einsetzendem Regen.
Wo sich soviele Guatemalteken versammeln kann man hervorragend Wahlpropaganda betreiben. Die zwei stehen im Wald neben dem schlammigen Wanderweg!

In nächster Nähe ragte der Vulkan Tajumulko in die Höhe, den Felix gerne bestiegen hätte. Leider waren die Wetterprognosen so schlecht und das Wetter so kühl, dass wir Richtung Pazifik abbogen. Halbwegs auf der kurvigen Strecke lud das Refugio del Quetzal zum Übernachten ein. Wir verabredeten uns mit einem Guide für den nächsten Morgen und sassen den Dauerregen in unserer Stube aus. Die Nacht brachte kaum Besserung und so stapften wir am nächsten Morgen bei Regen durch den Dschungel auf der Suche nach den sagenhaften, von den Mayas verehrten Vögeln. Einen Guide braucht es, weil wir ja nicht wissen, wo sich die Vögel verstecken… und wer hat wohl das Quetzalweibchen auf dem hohen Ast entdeckt? Bestimmt nicht der Guide… :). Eine halbe Stunde standen wir dann da im Regen und warteten auf das langschwänzige Männchen. Er liess sich Zeit, flatterte aber dann endlich herbei und erfreute uns mit seiner Schönheit. Zum Fotografieren war es zu nass und dunkel und das Vogelpärchen zu weit weg, leider.

Aber jetzt los, ab ans Meer an die Wärme und in die Sonne! Aber was für eine Enttäuschung! Der schwarze Lavastrand war so zugemüllt, wie wir es noch nie gesehen hatten! Dazwischen standen Palapa-Restaurants und warben um Kundschaft. Echt, das war so grausig, wir haben rechts um kehrt gemacht und sind geflohen.

Direkt dem Meer entlang gibt es keine Strasse, so fuhren wir zurück an den Fuss des Gebirges. Von dieser Strasse aus führen Stichstrassen ans Meer und irgendwo musste es ja hübsch sein! Nach einer weiteren Nacht auf einem Fussballfeld eines Hotels, fuhren wir am nächsten Morgen weiter, den Strandort Monterrico als Ziel. Als wir uns der Stadt Retalhuleu näherten, wurde uns plötzlich die Weiterfahrt verwehrt: die einzige Brücke im Ort wurde übers Wochenende saniert und war für den gesamten Verkehr bis am Montag gesperrt. Für uns hiess das, wieder über die Berge zu fahren, in die Kälte (18° ;-)) und den Regen. Also Planänderung: wir fuhren nach Antigua und genossen ein paar Tage in dieser schönen Kolonialstadt. Sehr faszinierend sind die vielen eingestürzten Kirchen und Klöster, die diversen Erdbeben zum Opfer gefallen waren. Unter den vielen Restaurants fanden wir auch ein schweizerisches und genossen Älplermagronen und Käsespätzli mit Speck. Beim Flanieren durch die Gassen entdeckte ich ein tolles Geschäft und kaufte mir nach über einem Jahr der Suche ein perfektes Paar Cowboystiefel! Ok, den linken Stiefel habe ich noch gar nicht anprobiert… 😉

Wolkenverhangen Aussicht auf dem von Kaffeepflanzen-gesäumtem, kurvigen Weg an den Pazifik
Der Strand von Tilapa   :-0
In den Ruinen des Colegio de San Jeronimo o Real Aduana in Antigua
der Wunderschöne Brunnen des Colegios
Die Kirche "La Merced"
 
 
Der Arco de Santa Catalina in Antiguas einziger Fussgängerzone
 
Das Ayuntamiento (Verwaltung) an der Plaza Major
Der Palacio de Los Capitanes Generales ebenfalls an der Plaza
Meine Cowgirl-Stiefel!
Antigua by night
lecker!
Ja, auch das kann man in Antigua kaufen!
In den Ruinen der Kathedrale San Jose
Der Grossteil der riesigen Kathedrale fiel dem Erdbeben von 1773 zum Opfer.
 
Alte, aufgemotzte Schulbusse aus USA sind Guatemalas Chicken-Busse.

Nach drei Tagen verliessen wir die Stadt in Richtung Vulkan Pacaya, den wir am nächsten Morgen um sechs Uhr unter die Füsse, resp. unter die Hufe nahmen. Den Flanken des äusserst aktiven Vulkans fliessen fortlaufend Lavabäche herunter und Feuerbälle kullern über die Hänge, begleitet von Fauchen und Grollen. Ein tolles Erlebnis! Von hier aus starteten wir einen neuen Versuch, den Pazifik zu erreichen und fanden in Monterrico einen unverschmutzten, schönen, langen, schwarzen Lavastrand und Temperaturen über 30°C. Wir schlugen bei einem Schildkröten-Sanctuario unsere Zelte auf und genossen einen langen Strandspaziergang. An Schwimmen war hier nicht zu denken, die Wellen waren viel zu hoch und der Strand fiel schnell steil ab, was einen grossen Sog bewirkte. Es war zur Zeit weder Schildkröten- noch Surfersaison und auch die Strandvillen der oberen Zehntausend aus Guatemala City standen leer. Am Nachmittag heizte sich der schwarze Sand unglaublich auf und Filou verbrannte sich die Pfoten. Wir unternahmen eine geführte Ruderboottour durch die Mangroven, aber auch für Vogelbeobachtung schien die Saison nicht ideal zu sein. Nachts lief der Ventilator wieder im Dauerbetrieb… In Guatemale frieren wir nachts oder wir finden vor lauter Hitze keinen Schlaf… Nach einiger Zeit hatten wir den Mut zusammen, die für die Weiterfahrt unvermeidliche „Fähre“ zu benutzen. Nach der Versicherung der umstehenden Männer, befahren sogar grosse Busse mit 30 Passagieren diese flachen Boote, die aussehen, wie doppelte Weidlinge. Ich gab vor, ein Video aufnehmen zu wollen und überliess Felix die Auffahrt auf das flache Boot… Es war eng, aber es passte sogar noch ein Motorrad mit drauf. Nach einer 20 minütigen Fahrt erreichten wir unbeschadet Land und fuhren zurück in die Berge zum Vulkan Ipala. Im Kratersee lässt sich herrlichen baden, sagten Felix und Filou, ich sah den beiden dabei lieber von der Picknickdecke aus zu.

Nach einigen Nächten beim Hotel „La Caballeriza“ mit Schwimmbad, Pferderennbahn und vielen Restaurants entschieden wir uns, nochmals nordwärts zu fahren und uns die Gegend um den kleinen Karibik-Zugang Guatemalas anzusehen. Unterwegs machen wir bei der Mayastätte Quirigua halt und bewundern die wunderschönen Stelen. Eigentlich war gedacht, hier die Nacht zu verbringen und der Parkplatz sah gar nicht so übel aus. Aber es war soooo heiss! Und in Rio Dulce hätten wir ein Schwimmbad… So fuhren wir noch eine Stunde weiter und campierten in der Marina mit Schwimmbad und warmen Duschen am Rio Dulce. Der Fluss verbindet das Meer mit dem See Izabal und die Bootsfahrt durch das Naturparadies nach Livingston war grossartig! Vom Städtchen selbst waren wir etwas enttäuscht und der Strandabschnitt, den wir gesehen hatten, liess kein Karibik-Feeling aufkommen… Die drei Stunden, bis unser Boot uns wieder über den herrlichen Fluss nach Hause bringen würde, gingen aber trotzdem schnell vorbei… man kann ja immer ausgiebig zu Mittag essen und dabei den Indigenas und Garifunas beim geschäftigen Herumstehen zuschauen… ;-). Die Marina, wo wir übernachteten, war Klasse. Wir nutzen den Swimmingpool und die Liegestühle ausgiebig und bestaunten dabei die schönen Segler und teuren Yachten. Dem Lago Izabal entlang fuhren wir über Tactic nach Guatemala City. Viele Strassenabschnitte werden hier gebaut und ausgebaut und wir standen immer wieder im Stau. Dabei kann man natürlich wunderbar die Passagiere der Fahrzeuge vor sich beobachten. Unangenehm ist, dass man selber genauso beobachtet wird. 🙂 In vielen Dörfern, durch die wir fuhren wurde nochmals die Wahltrommel geschlagen. In grossen Lastwagen wurden Parteimitglieder von A nach B zu einem Strassenfest gekarrt, während die Mitglieder der Gegenpartei Fähnchen schwingend von B nach A gekarrt wurden. Fasziniert haben mich die schnulzigen Parteilieder, fast so schräg, wie das Lied „unserer“ Sünnelipartei, das mir Felix spät abends vorspielte und das mit beinahe den Schlaf raubte. Hier in Guatemala gibt es übrigens auch eine „Sünnelipartei“! Die Logos vieler anderer Parteien bilden aber oft eine oder zwei Hände ab. Wer wohl gewinnen wird? Laut NZZ verkommen die Wahlen aber zu einer Farce: „Vorwiegend versuchen Politiker, Parteien und Manipulatoren im Hintergrund, unliebsame Kandidaten mithilfe der Justiz auszuschalten.“ (NZZ, Peter Gaupp, 17.5.2019)

Wir erreichten Guatemala City zur Mittagszeit und fuhren nordostwärts zur „Cabaña Suiza“ wo wir im mit Kuhglocken verzierten Restaurant legendär gute St. Galler Bratwürste und Rösti assen. Als ob wir davon nicht schon satt gewesen wären, ass Felix ein Stück Schwarzwäldertorte und ich liess mir ein Stück Aprikosenwähe auf der Zunge zergehen. Heimweh gestillt! 🙂 Nach nur einer halben Stunde Fahrt erreichten wir Antigua und kehrten dieses Mal auf einem anderen Platz ein. Hier trafen wir Frank und Tatjana mit Lenn und Layla wieder und lernten die Grossfamilie von Marko und Franzi kennen. Die reisen mit ihren fünf Jungs zwischen 2 und 13 Jahren in einem Lieferwagen mit zwei Dachzelten um die Welt. Hut ab! Die Platzverhältnisse sind beschränkt und bei jedem Wetterd raussen sein ist angesagt! Aber der Campingplatz mit angrenzendem Schrottplatz ist für die sechs Jungs und dem Geburtstagskind Layla ein wahres Paradies! Wir sitzen im Schatten, trinken Kaffee und schauen dem Vulkan Fuego zu, wie er regelmässig graue Rauchfahnen in den Himmel pustet. Bald reisen wir weiter nach El Salvador. Wie bei jedem neuen Land halten sich Unsicherheit und Vorfreude die Waage.

Aufstieg auf den Volcan Pacaya
 
Lavaflüsse und glühende Gesteinsbrocken
Monterrico am Pazifik
Hohe Wellen und schwarzer Sand
 
Auf einer Bootsfahrt durch die Mangroven von Monterrico
Unser "Fährschiff"!
Die Laguna Ipala beim gleichnamigen Vulkan
Kühe lieben Mango 🙂
Die hübsche Landschaft bei Chiquimula
Ein Kalabassenbaum
Warten, bis der Bananenzug vorbei ist, dann wird die Strasse wieder freigegeben
Ein Zoomorph in den Mayaruinen Quirigua
Quirigua ist für seine wundervoll geschnitzen Stelen bekannt
Das Castillo San Felipe de Lara liegt am Eingang zum Izabal-See und sollte das weitere Vordringen von Piraten in den See verhindern. Diese segelten vom karibischen Meer den Rio Dulce hoch und hätten an der engsten Stelle aufgehalten werden sollen. Aber eben, hätten sollen...
Teichlilien auf dem Rio Dulce
Zahnarzt im Städtchen Rio Dulce
Aussenrum die Männer, in der Mitte Frauen und Kinder... 🙂
Eine Wagenladung voll Wahlkämpfer
Platzregen in den Strasse von Guatemala City
St. Galler Bratwurst und Rösti in der Cabana Suiza nördlich von Guatemala City!
Zurück in Antigua. Von unserem "Schlafzimmerfenster" sehen wir den rauchenden Vulkan Fuego und seinen grossen, schlafenden Bruder Vulkan Atatenango
Der 5. Geburtstag von Layla. Im Bild: Layla, Tatjana und Lenn. Dann vier der fünf Jungs von Franzi und Marko und Franzi selbst.
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