El Salvador, 21. Bericht

18.6. – 4.7.2019

Heute vor zwei Wochen standen wir etwas unsicher an der Grenze zu El Salvador und wurden so freundlich und hilfsbereit durch das erforderliche Einreiseprozedere geführt, dass wir gleich mal sehr erleichtert waren. Wir hatten so viele Warnungen und Zeitungsartikel betreffend der Sicherheit gelesen, dass wir das Land eigentlich hätten auslassen müssen. Aber wir hatten auch schon so viel Erfreuliches gelesen und gehört, dass wir das Land nicht auslassen wollten! Und im Nachhinein gut so! Noch nie haben wir so viel Freude und Begeisterung hervorgerufen, nur indem wir durch ein Dorf fuhren! Überall wurden wir angesprochen und willkommen geheissen. Bei so viel Interesse an uns und unserer Reise, müssten wir jetzt perfekt Spanisch sprechen, aber viele sprechen hier Englisch und sind stolz darauf… Jugendbanden und Mafia? Es kann gut sein, dass wir mit solchen Menschen gesprochen und gelacht haben, wer weiss? Als Touristen merkt man das nicht. Was wir merkten und nicht sooo toll fanden, sind die stark bewaffneten Wachmänner überall, die eingezäunten Grundstücke und die Wanderungen, die man nur mit Guide und Soldaten unternehmen darf. Aber so ist das hier halt. Ebenfalls sahen wir, dass die Kinder auch nachmittags zur Schule gehen und auch ausserschulische Aktivitäten wie z.B. Musikunterricht oder Tai Chi geboten werden. Trotzdem: 2015 betrug die mittlere Schulbesuchsdauer lediglich 6.5 Jahre!

Anders als in Guatemala sieht man hier nie Indigenas in traditioneller Kleidung. Grund dafür ist die „Matanza“, (mehrere Massaker an Indigenas als Strafe für einen Aufstand) ab 1932. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Sprechen indigener Sprachen und das Tragen traditioneller Kleidung verboten und verfolgt. Wer überleben wollte, verleugnete seine Herkunft und in der Folge werden heute keine indigenen Sprachen mehr an die Kinder weitergegeben.

Warum haben Felix und ich das Gefühl, dass das Land und die Bewohner „moderner“ sind? Wir sehen nur sehr selten Frauen und Mädchen in Flüssen Wäsche waschen. Dafür gehen mehr Frauen auch einer bezahlten Arbeit nach, unter anderem auch im Strassenbau und Strassenunterhalt. Nur wenige Häuser sehen so kläglich aus wie in Guatemala und die öffentlichen Toiletten haben eine WC-Brille und Toilettenpapier, etwas, worauf man sich seit USA nicht mehr verlassen konnte! 😉 Trotzdem herrscht hier Armut und ¼ aller jungen Menschen möchte in die USA ausreisen, wo jetzt bereits 10 Prozent der Salvadorianer leben.

 
El Salvador, kleines, schönes Land!

Nach der erfolgreichen Einreise von Mensch, Hund und Wohnmobil fuhren wir nach Ahuachapan zu den Termales de Alicante. Wunderschön im Gelände platziert, laden kleine und grössere Pools zum Baden und Entspannen ein. Einige sind heiss, einige noch heisser und nur ein kleiner Pool hatte bei diesen hohen Aussentemperaturen eine angenehme Kühle. Nach fünf Uhr abends waren wir alleine mit Frank, Tatjana und ihren Kindern dort. Irgendwo musste auch der sehr nette Security sein, wir begegneten ihm aber erst am nächsten Morgen wieder. Langsam drohten uns Schwimmhäute zu wachsen, so packten wir zusammen und fuhren die kurze Strecke zu einem Geothermalfeld auf einem Privatgrundstück. Für wenig Geld liess uns die Besitzerin zwischen den Blubberteichen und Fumerolen herumklettern.

Zuoberst auf der Liste der Sehenswürdigkeiten in El Salvador steht die Ruta de Flores, eine sich durch Hügel und Städtchen schlängelnde Strasse. Sage und schreibe 40!!! Km lang.  An einem halben Tag hatten wir die recht hübschen Örtchen besichtigt. Der Versuch, Mittags das Nationalgericht „Pupusas“ essen zu wollen, endete in mitleidigen Blicken und Gelächter, weil ich in den Essbuden fragte, ob wir Pupusas „anprobieren“ könnten… Langer Rede kurzer Sinn, Pupusas isst man zum Frühstück oder zum Abendessen und nicht zu Mittag! 😮

Und jetzt wollt ihr bestimmt auch wissen, was Pupusas sind? Dicke, gefüllte Tortillas. Mit Käse drin oder Bohnenmus und Käse oder Huhn und Käse oder ein seltsames Gemüse und Käse. In Mexico hiessen die glaube ich Gorditas. Aber das sagte ich natürlich nicht, ich wollte ja ihren Nationalstolz nicht verletzen. Fein sind sie allemal und wahrscheinlich der Haupt-Verursacher der 25% Fettleibigkeit in El Salvador! 😉

Blinde Passagiere!
Eines der vielen Thermalbecken im tropischen Garten.
Es dampft und blubbert im Geothermalfeld Los Asuelos
Schöne Aussicht von einem Mirador auf der Ruta de Flores. Die Touristenpolizei stand gleich daneben und passte auf uns auf...
Strassenmarkt in einem der Städchen an der Ruta de Flores
Der Hauptplatz von Ataco

Der Hitze wegen hielten wir uns an die Berge und übernachteten bei Kraterseen und an Ausgangspunkten zu Vulkanbesteigungen. Rund um den Lago de Coatepeque gibt es wunderbare Aussichtsplattformen, die aber allesamt sehr gefährlich sein sollen. Nicht etwa, weil sie baufällig wären, sondern weil es dort immer wieder zu Überfällen kommen soll… Das können wir uns so nicht vorstellen, dass in Sichtweite von Strasse und Häuser Touristen überfallen werden! So hielten wir doch an einigen an, Felix blieb im Auto sitzen, mit laufendem Motor und ich hüpfte raus, schoss ein paar Fotos und sass schon wieder auf dem Beifahrersitz, bevor mich jemand hätte überfallen können! 🙂 Der See war aber auch eine Augenweide!

Abends regnete es regelmässig, morgens herrschte aber meist gute Sicht und so schloss sich Felix einer Wandergruppe an und bestieg den Vulkan Santa Ana. Der bewaffnete Soldat, der die Truppe hätte begleiten sollen, tauchte nicht auf und so mussten 50 Personen ohne ihn auf den Berg. Jeden Tag rennt ein Glaceverkäufer vor der Gruppe mit Kühlbox zum Kraterrand hoch und macht dort mit dem Verkauf seiner kalten Naschereien gute Geschäfte. Ideen muss man haben! Der Vulkan steht im Nationalpark Cerro Verde, wir übernachteten auf dem Parkplatz und hatten die tolle Aussicht abends ganz für uns alleine und die ruhige Nacht wurde nur hie und da von den wilden Hunden, die in den Abfalleimern wühlten, gestört. Morgens vor sieben Uhr fuhr dann ein grosser Bus auf den Parkplatz und das Personal entstieg ihm. Nach einem kurzen, geführten Spaziergang (Guide ist Pflicht, kostenlos aber ein Trinkgeld ist erwünscht) kamen wir endlich in den Genuss unserer ersten Pupusas! Gestärkt fuhren wir weiter und erreichten gegen Mittag die sehr kleine Maya-Ausgrabungsstätte Joya de Ceren, ein UNESCO Welterbe. Normalerweise sind die Gebäude, die gefunden wurden, Tempel, Pyramiden und Paläste der Maya-Oberschicht, hier sind es aber Wohnhäuser. Davon, wie die Landbevölkerung lebte, weiss man nur wenig, ihre Häuser bestanden aus Lehm und Palmdächern, die längst restlos verfallen sind. Die Gebäude von Joya de Ceren haben aber unter 14 Schichten Lavaasche überlebt und wurden 1976 zufällig entdeckt. Es wird auch Pompeii der Amerikas genannt.

Den ersten Samstagabend in El Salvador verbrachten wir in einem Country Club bei San Ignacio. Der ist aber nichts Vornehmes, einfach ein paar Cabañas zum Mieten, ein Pool mit Restaurant und ebene Wiesen, um Zelte aufzustellen. Und da standen viele Zelte! Wir bekamen einen Platz auf dem Parkplatz zugewiesen und konnten dem Treiben im Pool und Restaurant wunderbar zuschauen. Da wurde gegessen, gelacht und zu lauter Musik getanzt, an einigen Tischen spielten die Jugendlichen Karten, andere sassen biertrinkend im Pool und liessen sich auch vom Platzregen nicht daraus vertreiben! Wir dachten, es werde wohl eine laute, kurze Nacht, aber um 23 Uhr herrschte Ruhe! Wir fuhren am nächsten Tag auf den höchsten Berg vom Land, den El Pital, der vielleicht auch schon in Honduras steht? Die Piste, die sich den Berg hochschlängelte war ausgewaschen, vom gestrigen Regen etwas schlammig, schmal und sehr, sehr steil! Wir fuhren mit Untersetzung und krochen wahrlich den Berg hoch. Zum Glück kamen uns nur wenige Autos entgegen und immer genau dort, wo ein Ausweichen möglich war. Beinahe zuoberst parkierten wir und liefen den Rest zu Fuss, vorbei an Essbuden und Verkaufsständen. Hier tummelten sich auf englischem Rasen hunderte Salvadorianer und genossen den Sonntag. Wir fühlten uns an den Höriberg an einem schönen Sonntag erinnert!  Eigentlich könnte man auf dem Berg übernachten, meine Bedenken, dass sich die „Strasse“ durch den nächtlichen Regen in eine Schlammrutschbahn verwandeln könnte, fand Gehör und wir fuhren am Nachmittag noch ins Tal nach La Palma. Gemäss Reiseführer ebenfalls ein sehr sehenswerter Ort mit bunt bemalten Häusern… Naja… Leider war das Museum schon geschlossen, so setzten wir uns in ein seltsames Restaurant und Felix erfuhr, was eine Babyparty ist. Die fand nämlich im hinteren Teil des Saales statt und es wurden die gleichen Spiele gespielt, wie man sie bei uns an Hochzeiten spielt…

Der gläserne Schmetterling von der Laguna Verde
Übernachtungsort direkt an der Laguna Verde
Die Kathedrale von Santa Ana
Das Teatro Nacional de Santa Ana
Mir dem Auto gibt es da kein durchkommen mehr! Marktbetrieb in Santa Ana
Blick von einem der gefährlichen Miradores auf den Lago de Coatepeque
Der Kratersee des Vulkans Santa Ana mit seinen giftigen Gasen
Pause für die Wandergruppe auf dem Vulkan Santa Ana mit Blick auf den Lago de Coatepeque
Nochmals der schöne Lago de Coatepeque
Der Vulkan Izalco, gleich neben dem Vulkan Santa Ana
Ausgrabung Joya de Ceren
 
Der Country Club von San Ignacio an einem Samstag Nachmittag
Ausblick vom höchsten Berg El Pital nach Honduras
Der Höriberg von El Salvador: El Pita. Nur die Zufahrt gestaltet sich sehr viel schwieriger!
Bunt bemalte Häuser in La Palma

Die nächsten Tage verbrachten wir in Suchitoto, der Kulturhauptstadt des Landes. Wir campierten auf den Parkplatz des Museums-Kunstgalerie-Hostal-Café des Centro Arte de la Paz nur einige Gehminuten vom Hauptplatz entfernt. Im Centro sahen wir uns zwei sehr informative Filme über den Bürgerkrieg (1980-1991) an, assen günstig im Café, durften die Duschen und Toiletten des Hostals benutzen und die Wäscherei des ehemaligen Frauenklosters. Mit dem hübschen Städtchen, nur einige Schritte entfernt, ist es ein idealer Aufenthaltsort für Reisende und ein Highlight unseres Aufenthaltes im Land.

In der Nähe der Hauptstadt San Salvador verbrachte wir im kühlen Wald mit Mountainbikepark und Wanderwegen zwei Tage. Beim Spazieren wurden Filou und ich vom abendlichen Gewitter überrascht, verliefen uns etwas und kamen klatschnass zum Womo zurück. Felix hatte sich in der Zwischenzeit um die Abdichtungen der Fenster gekümmert und dazu eine alte Selfmade-Leiter vom netten Guard am Eingang erbettelt. Von dieser Leiter sollte er einen Tag später herunterstürzen und auf dem Rücken landen. Weil er sehr starke Schmerzen hatte, suchten wir eine Privatklinik in Santa Tecla, dem vornehmen Vorort von San Salvador auf. Ich war echt froh, dass er noch selber fahren konnte! Ich bin seit Baja California/Mexiko nicht mehr hinter dem Steuer gesessen und hätte nicht gleich mit dem Verkehr in der Stadt üben wollen. Nach einigen Röntgenaufnahmen (auf welchen man zum Teil gar nichts sieht 🙂 ) wurde er mit einer Liste von Schmerzmitteln als nicht schlimm verletzt entlassen. Positiv: die Medis nützen! Negativ: die Wirkung lässt immer wieder nach!

Die Kirche von Suchitoto
Blick von Suchitoto auf den Stausee Embalse Cerron Grande
Blick vom Eco Parque el Espino nach Santa Tecla und San Salvador. Espino erinnert mich an Spine (engl. für Wirbelsäule/Rücken). Vielleicht sollte man in diesem Park einfach nicht auf Leitern steigen... Espino ist aber ein Weissdorn 🙂
Alles gut, Wirbelsäule intakt!

Von San Salvador fuhren wir nach El Tunco ans Meer. Es war wieder Wochenende und das Gewimmel gross. Die hohen Wellen des lauwarmen Pazifiks sind eher was für Surfer als für Schwimmer, zum Abkühlen gab es auf unserem „Campingplatz“ aber einen Pool und zwei Liegestühle, die wir gleich in Beschlag nehmen. Ja, so liessen sich die Temperaturen von beinahe 40 Grad gut aushalten. Abends brachte ein Gewitter etwas Abkühlung, so dass wir nicht im Pool übernachten mussten, um überhaupt schlafen zu können. Trotzdem zog es uns nochmals in die Berge, wir wollten den Kratersee Laguna de Alegria sehen. Nach dem sich die sonntäglichen Besucher verzogen hatten, hatten wir den Kratersee ganz für uns alleine. Und wieder ging ein gewaltiges Gewitter über uns hernieder! Ich hoffte die ganze Nacht, dass der Wasserstand des Sees nicht allzu stark anstieg…

Im Reiseführer wird der von Deutschen gegründete Ort Berlin als sehenswert bezeichnet. Bei der Durchfahrt wissen wir nicht so recht warum und lesen nach: wegen der bunten Wellblechhäusern!!! Nicht nur die Dächer sind aus Wellblech, nein, auch alle vier Wände. Die bunte Farbe muss sich seit der Herausgabe des Reiseführers ausgewaschen und ausgebleicht haben… wir fahren lieber wieder ans Meer, diesmal an einen Ort, wo man auch baden kann. In El Cunco standen wir ganz alleine bei einem Restaurant/Pool mit Blick aufs Meer. Der Sandstrand lud zum Spazieren ein und die Wellen des Pazifiks waren bei Ebbe herrlich. Wir haben uns schweren Herzens entschieden, Honduras wegen den Strassensperren und Unruhen nicht zu bereisen. In den Nächsten Tagen werden wir das Land auf der kürzesten Strecke durchfahren und gleichentags noch in Nicaragua einreisen.

Fazit zu El Salvador: wirkliche Sehenswürdigkeiten gibt es nicht viele. Die Landschaft ist üppig grün und die herrlichen Berge bis oben bewaldet. Leider kann man aus Sicherheitsgründen nicht einfach loswandern und braucht überall einen Guide. Die Küstenorte sind für einheimische und ausländische Touristen super gut ausgebaut und eine Wohltat nach den Strandorten in Guatemala. Was aber neben der wunderschönen Natur für einen Besuch in El Salvador spricht, sind seine freundlichen, rücksichtsvollen, neugierigen und lachenden Bewohner!

Felix erholt sich am Pool der Tortuga Surf Lodge von seinem Sturz von der Leiter
In El Tunco
Der markante Felsen im Meer vor Playa El Tunco
Wochenendausflügler aus der Hauptstadt
Vor oder nach vier? immer mit Bier!
Dieser mit jungen Männern gefüllte Lastwagen fuhr uns voraus zur Laguna de Alegria. Bierflaschen machten fleissig die Runde. Der Lastwagen hielt beim Fussballplatz am Kratersee und die angetrunkenen Männer begannen ihren Fussballmatch. Keine Ahnung, wer dabei gewann. Wahrscheindlich war die gegerische Mannschaft genau so angeheitert!
Filou roch nach seinem Bad im Kratersee leicht schwefelig
 
Naja, dann doch lieber das Original!
Aber die Aussicht von Berlin ist sehr schön
Sonnenuntergang in El Cunco
Die Playa el Esteron bei Ebbe

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