Honduras und Nicaragua, 22. Bericht

5.7. – 1.8.2019

Eigentlich haben wir nicht geplant, Honduras in einem halben Tag zu durchqueren und hätten dieses Land gerne bereist. Aber die Einwohner Honduras demonstrieren zurzeit gegen die Regierung und dies mit unzimperlichen Methoden. Von anderen Reisenden hörten wir, dass es im ganzen Land unruhig zu und her geht, dass es viele Strassenblockaden hat, dass Reifen angezündet werden und dass die Polizei hart gegen die Demonstranten vorgeht.

Nachdem wir die Zollformalitäten für die Einreise nach Honduras erledigt hatten, kam gleich nach der Grenze eine Lastwagenkolonne. Wir überholten diese elegant bis wir von einem Zollbeamten angehalten wurden, der noch irgendwelche Papiere wollte. Dort erfuhren wir, dass im nächsten Dorf eine Strassenblockade sei und die Lastwagen sich darum stauten! Gegen ein anständiges Trinkgeld führte uns dann ein zufällig (!) anwesender Einheimischer über irgendwelche Hinterwege daran vorbei! Der Rest von Honduras durchquerten wir dann problemlos innerhalb von drei oder vier Stunden, so dass wir nach weiteren mühseligen Zollformalitäten an der nicaraguanischen Grenze unser erstes Ziel in Nicaragua anfahren konnten.

Die erste Nacht verbrachten wir bei Francisco und seiner Familie. Der Zöllner an der nicaraguanischen Grenze hatte uns dies vermittelt, da sie irgendwie verwandt sind! Francisco führte uns dann am nächsten Tag in den Cañon de Somoto, da geht man zuerst eine halbe Stunde zu Fuss, nimmt dann für 5 Minuten eine Boot und schwimmt dann noch 20 Minuten hinein. Und auch Filou durfte mit, da er aber nicht so gerne schwimmt, durfte er es sich auf Tinas Rücken bequem machen! Reisende, welche ich später in Costa Rica antraf, erzählten mir dann davon! Offenbar sind beide jetzt lokale Berühmtheiten :).

Bei Francisco bekamen wir auch einen Einblick, wie die Einheimischen leben. Gekocht wird auf einem Holzfeuer, abgewaschen wird an einem Trog im Freien, Duschen gibt es nur kalt, überall laufen Hühner herum und Hunde. Aufgetischt wurde uns Reis mit Bohnen, gekochte Bananen, ein Stück Käse und Ei zusammen mit einem frischgepressten Saft, dies für 2 Franken pro Person. Die Mahlzeit mit einem Stück Huhn kostete 2.50 Franken. Bis auf den Reis war alles selber angebaut worden, die Eier und das Fleisch stammten von den eigenen Hühnern und auch der Käse war selber gemacht! Und es ist das, was für die Familie dreimal am Tag auf den Tisch kommt!

Am gleichen Tag ging es weiter zum Städtchen Somoto, wo wir eine Nacht am Strassenrand neben dem zentralen Park übernachteten (es ist ziemlich sicher in Nicaragua!).

Hier wurde Filou nach Honduras eingeführt. Unten in der Hängematte liegt der Geldwechsler.
Fahrzeugdesinfektion bei der Einfuhr nach Nicaragua.
Zu Fuss unterwegs im Somoto Canyon.
Mit dem Boot ...
 
schwimmend ...
Filou lässt sich schwimmen 🙂
Abendessen bei Francisco. Es hat geschmeckt!
Ueblicher Waschtrog für Wäsche und Geschirr.
Umzug der FSLN in Somoto. Wir konnten mit dem Wohnmobil erst weg, als der Umzug begonnen hatte.

Wir verbrachten das Wochenende im Reserva Natural Miraflor. Es war dort aber ziemlich neblig und feucht, so dass wir nach einer Nacht weiter nach Estelí fuhren, wo am Montag und Dienstag unser Auto in einer auf Landcruiser spezialisierten Garage gecheckt und gewartet wurde.

In der Nähe von Matagalpa machten wir eine Wanderung im Urwald und staunten über die hohen Farne, den dichten Wald und die schönen Pflanzen. Wir übernachten bei Jürgen, einem Deutschen der zusammen mit seiner nicaraguanischen Frau eine Finca hat, wo er Kaffee anbaut und ein kleines Hotel mit Cabanas führt.

Düstere Stimmung im Reserva Natural Miraflor.
Filou ist beim Spazieren selten alleine.
Das Auto waschen lassen, bevor es in die Garage kommt.
Vogelnest
Wir übernachteten bei einer Fabrik, die Zigarrenschachteln herstellt. Seit den Unruhen letztes Jahr mussten sie fast alle Arbeiter entlassen.
Reisanbau.
Farn im Regenwald.
 
 
 
Dichter Dschungel.
Findet Tina!
 
Pneuverwertung.
Kaffee.
 
Hochzeitskappelle.
Und an diesem See haben wir nach der Urwaldwanderung Mittag gegessen.

Nach einer langen Anfahrt über eine holprige Piste erreichten wir am frühen Nachmittag den Vulkan Cerro Negro. Dieser Vulkan ist ziemlich jung (Geburtsjahr 1850) und immer noch aktiv (zuletzt 1999). Man kann ihn besteigen und – Fanfare – auf einem Brett wieder hinunterschlitteln! Das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Man mietet unten beim Eingang einen Overall, eine Skibrille und ein Brett, erhält eine Instruktion wie man darauf sitzt und die Leine hält, wie man mit den Füssen bremst und wo man herunterschlitteln muss. Dann läuft man los. Das Brett auf den Rücken geschnallt ist man in knapp einer Stunde oben. Man hat dort oben eine wunderbare Aussicht, so dass wir uns hinsetzten, um zu fotografieren und der Gruppe zuzuschauen, die mit uns den Gipfel erreicht hatte und sich für die Talfahrt bereit machte. Wären wir doch gleich losgeschlittelt! Innert fünf Minuten kam ein so starker Wind auf, dass wir uns kaum mehr auf den Beinen halten konnten und uns der Lavasand und kleine Lavasteinchen nur so um den Kopf und die Ohren flogen! Mühsam kämpften wir uns zur Abfahrtspiste, wo noch die letzten der Grossfamilie unterwegs waren. In rasanter Fahrt ging es dann nach unten. Ohne Bremsen schafft man es unter einer Minute, wir hatten jedoch die Füsse fest auf dem Boden und waren wenig länger unterwegs! Unten kommt man schwarz wie der Kaminfeger an, ich hatte noch Tage danach schwarzen Staub in den Augen und Sand in den Haaren! Zum Glück hatte es beim dazugehörigen „Campingplatz“ eine Dusche!

Der Cerro Negro von unten. Da muss man hinauf, wenn man herunter schlitteln will. Links sieht man die Spur.
Unterwegs!
 
 
Der Krater des Cerro Negro.
Da geht es herunter!

Leon besichtigten wir während etwa 4 Stunden (in dieser Zeit waren unsere Kleider in der Wäscherei). Es ist eine alte Stadt mit einer langen Vergangenheit. Speziell ist, dass man das Dach der Kathedrale besteigen kann. Filou durfte zwar nicht hinauf, aber ein Strassenhändler passte gegen ein Trinkgeld gerne auf ihn auf.

Im ehemaligen Gefängnis, wo der Diktator Somoza politische Gefangene einsperren und foltern liess, befindet sich heute ein Museum über lokale Legenden und Traditionen.

Die Kathedrale.
Die Kathedrale von Leon.
Auf dem Dach kann man herumlaufen!
 
 
 
 
Achtung frisch gestrichen!
Eine andere Kirche in Leon.
 
 
 
Farbenfroher Gemüsemarkt.
Strassenbild in Leon.
Auf dem Hauptplatz
Im Museum über lokale Legenden und Traditionen. Wer findet Tina?
Wir können schon froh sein in der Schweiz, dass wir die letzten paar hundert Jahre vor politischen Gefangenen und Folterungen verschont blieben.
 
 
Die Gründerin des Museums.
Eine Leichenwagen (Leichenkutsche?) vor einer Kirche. Der Sarg wurde soeben in die Kirche getragen.

Den Vulkan Masaya in der Nähe der Hauptstadt Managuas besichtigt man abends, er ist immer noch aktiv und im Krater sieht man die rote, heisse Lava und es steigt Dampf auf. Zum Glück kann man mit dem Auto bis an den Kraterrand fahren :).

Wie ich auf Wikipedia gelesen habe, liess der Diktator Somoza dort politische Gefangene verschwinden!

Die nächsten paar Tag verbrachten wir mit Faulenzen am Lago de Apoyo. Wir brauchten ein paar Tage Ferien von den Ferien ;).

Dampf steigt aus dem Vulkan Masaya auf.
Unten im Krater brodelt die Lava.
 
 
Unterwegs mit dem Pferdewagen.
Am Lago Apoyo!
 
Unterwegs auf hoher See. Die Wellen war sooooo hoch und der Rücken schmerzte soooooooo bald, dass wir nach gut einer Stunde wieder an Land paddelten.
Massenschlag im Hostel wo wir mit dem Wohnmobil übernachteten.
und abends eine Margaritha für Tina ...
Und dann landeten auch noch die UFOs!
 
 

Granada ist eine spanische Kolonialstadt am Ufer des Nicaraguasees. Am ersten Tag besichtigten wir die Stadt, am zweiten Tag unternahmen wir eine Velotour zu den Las Isletas, einer der Stadt vorgelagerten Inselgruppe. Tina flog dann zurück in die Schweiz, ihr Vater war gestorben und sie wollte bei ihrer Familie sein. Ich selber blieb (zusammen mit Filou) noch anderthalb Wochen in Nicaragua, bevor ich nach Costa Rica weiter reiste.

Kirche in Grenada.
Deckenbild in der Kirche.
Ein ehemaliger Klostergarten. Jetzt ein Museum.
Noch eine Kirche in Grenada.
 
 
 
Blick in ein Hotel. Es muss jeweils wunderschöne Innenhöfe haben. Leider sieht man die von der Strasse aus nicht!
Hängemattenherstellung.
In der Zigarrenfabrik.
Tabakblätter.
Und ein bischen Show ...
 
 
 
 
 
 
Am Nicaraguasee bei Grenada.
Am Meer, Tina ist in der Schweiz.
 
Und der tägliche Sonnenuntergang 🙂

Fazit zu Nicargua: Man merkt, dass es im letzten Jahr Unruhen gab und der Tourismus völlig zusammen gebrochen ist. Häufig ist man an touristischen Hotspots der einzige Tourist, Campingplätze sind vereinsamt und in den Städten Leon und Grenada merkt man, dass die Infrastruktur auf mehr Touristen ausgerichtet ist. Was für uns schön war – nie Anstehen und man ist immer und jederzeit willkommen -, hat aber negative Auswirkungen auf das Gewerbe und es hat dementsprechend viele Arbeitslose und Bettler. Uns war auch nicht bewusst, dass es in Nicaragua im Gegensatz zu Guatamale und El Salvador viel mehr Tourismus hat.

Die Leute leben sehr bescheiden und was bei uns als Armut bezeichnet wird, ist hier normal. Aber wir wurden immer sehr herzlich und offen empfangen und begrüsst.

Von der politischen Lage haben wir nicht viel mitbekommen. Daniel Ortega, der amtierende Präsident, scheint diktatorische Züge anzunehmen und „seine“ FSLN (einst die Revolutionspartei) ist überall präsent. Hoffen wir, dass diesem schönen Land die Demokratie erhalten bleibt.

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