Kolumbien

12.11. – 16.12.2019

Nach unserem San Blas-Abenteuer kamen wir einige Nächte im Hostel Casa Burgos in Cartagena unter. Tagsüber kümmerte sich Felix um die Auslösung unseres Wohnmobils und ich schloss mich zusammen mit Filou einer Free Walkingtour durch das Getsemani-Quartier an. Abends gab ich dann Felix eine Free Walkingtour, einschliesslich aller historischer Erklärungen! J

Die Stadt gefiel uns ausserordentlich gut, das quirlige „Getsemaniquartier“, das gediegene „El Centro“, das nette „San Diego“ und die Wolkenkratzer bestückte Sandzunge „Bocagrande“. Das Wetter war warm und nur ab und zu ging ein Gewitter über der Stadt nieder. Witzig war, wie schnell die Strassen unter Wasser standen und man sich einen Weg um die Seen suchen musste. Oder einfach in den Flipflops mittendurch laufen.

Nach sagenhaften drei Tagen von einem Amt zum anderen und wieder zurück, konnte Felix endlich das Wohnmobil vom Hafengelände fahren. Jetzt hatte der Herr endlich auch Zeit für eine gratis Stadtbesichtigung, diesmal im „El Centro“, das wir schon recht gut kannten, aber die Hintergrundinformationen waren vom Feinsten. Pascal und Roger Affolter gaben uns viele gute Tipps, wo wir uns die Nächte um die Ohren schlagen können und wo die besten Restaurants zu finden sind. Unsere „Städtereise“ nach Cartagena war sicher nicht gerade günstig, unseren Spass hatten wir aber alleweil!

Am Montag, 18.11. durften wir mit Pascals Affolters Hilfe die „Aluna“ Schule für geistig- und mehrfachbehinderte Kinder aus den Armenvierteln der Stadt besuchen. Die Direktorin Ursula Schläppi führte uns höchstpersönlich durch die Schule und gewährte uns Einblick in die Schulzimmer und den Alltag der Kinder und Lehrpersonen. Das tolle Angebot der Schule und die liebevolle Betreuung haben uns begeistert. Aber absolut von den Socken gehauen hat uns der Besuch im Armenviertel. Mit „Aluna Movil“ erhalten Kinder im Vorschulalter Frühförderung und ihre Familien Unterstützung im Alltag. Der Besuch bleibt unvergessen. Der erste Satz auf der Homepage der „Grupo Colombo-Suizo“: „Wenn Armut und Behinderung zusammentreffen, dann ergibt sich eine besonders ausweglos erscheinende Situation“, hat sich tief eingeprägt und die „Aluna“ zeigt Wege aus dieser Ausweglosigkeit.  Los Leute! Spendet was ihr auch immer erübrigen könnt! Eure Spenden werden sinnvoll eingesetzt!

Tiefbewegt verabschiedeten wir uns von Aluna und Ursula Schläppi.

Cartagena, die Perle der Karibik
 
Plazoleta de la Trinidad, allabendlicher Treffpunkt der Touristen und Strassenkünstler
Salsa Schnellbleiche als Teil der Free Walkingtour durch das Getsemani-Quartier
Plaza de los Coches im El Centro. Hier war früher der grösste Sklavenmarkt Südamerikas.
Im El Centro lebte die Oberschicht. Anhand der Türklopfer erkannte man den "Beruf" der Bewohner. Löwenkopf=Militär, Echsen deuten auf die königliche Herkunft, Meerestier=Händler. Je grösser der Klopfer, desto wichtiger die Familie. Je mehr Nobben an der Türe, desto reicher die Familie.
Mit diesen Obst tragenden Damen kann man sich gegen Bares fotografieren lassen.
Nach einem kurzen, heftigen Gewitter
pastellfarbene Häuser
 
 
Die Calle de la Sierpe (Schlangenstrasse) an der das Hotel von Shakira steht
 
Wir haben ihr Mangostücke abgekauft...
Befreiung Emmas vom Flatrack.
Im Stadtteil Bocagrande
Zu Besuch in der Aluna-Schule
Tanz- und Musikstunde
Aluna Movil: regelmässige Besuche in den Armenvierteln.
 
 
 
 
 
 
 

 Am gleichen Nachmittag fuhren wir nordostwärts Richtung Santa Marta. Kurz hinter Cartagena verläuft die Strasse auf einem Damm, rechts und links, zwischen von Abfall strotzenden Lagunen, hausten die Menschen in grösster Armut. Wie man so leben kann? Was die Menschen wohl für Träume und Zukunftspläne haben? Oder hat man keine Zeit zum Träumen? Irgendwie klangen die Erlebnisse vom Morgen noch in uns nach.

Der Übernachtungsort am vermüllten Strand drückt auch etwas aufs Gemüt.

Für den Donnerstag war ein Generalstreik angesagt, so suchten wir uns einen schönen Strand, um für ein paar Tage weg von der Strasse zu sein. Beim Abendspaziergang wurde Felix gleich als Hilfskraft zum Fischernetz einholen angeheuert. Es war Schwerstarbeit und Felix klagte noch tagelang über schmerzende Blasen an den Händen. Ich fragte einen Jungen, ob sie dies ein oder zweimal pro Tag machen würden, er antwortete, dass sie das den ganzen Tag machen. Und tatsächlich, am nächsten Tag sahen wir die Einheimischen zigmal die Netzte ausbringen und einholen. Was für „en Chrampf“! Für sehr wenig Fisch! Felix bekam auch ein Fischlein als Lohn, das warf er aber heimlich zurück ins Meer. Hoffentlich hat es überlebt und seine Lektion gelernt!

Santa Marta an der Karibik
Die Kathedrale
Fischverkäufer in Santa Marta
Schleppnetzfischer in der Nähe von Palomino.
geringe Beute...
schlechter Lohn!
Diese Hände sind für andere Arbeit gemacht. So lässt sich angenehm arbeiter :-),
während ich unter Palmen liege...

Nun verliessen wir das Meer und fuhren in einem breiten Tal Richtung Süden. Am zweiten Tag bogen wir in die Ostkordilleren ab und erreichten am Nachmittag Playa de Belen. Ich habe keine Ahnung, weshalb der Ort fernab von Meer und See so heisst… Auf alle Fälle ist hier das Nationalpärkchen „Los Estoraques“, das aber glaube ich von den Behörden aufgegeben wurde. Beim Eingang kassiert der Landbesitzer eine Eintrittsgebühr in sich ändernder Höhe und dann kann man zwischen und über die schönen Sandsteinformationen klettern. Auch das Städtchen Playa de Belen ist hübsch. Erst am nächsten Nachmittag fuhren wir weiter und dachten, dass die wohl ein Sonntagsfahrverbot für Lastwagen haben müssten, denn die Strasse war frei und es kam uns auch kein grösseres Gefährt entgegen. Bei einer Brücke im nächsten Ort wussten wir auch warum: ein Lastwagen war in der Kurve umgekippt und beinahe in den Fluss gefallen. Da hier nicht nur die Polizei antraben muss, sondern auch die Versicherungsexperten, dauern die Aufräumarbeiten entsprechend lang. Für die Fahrzeuge in unsere Richtung bedeutete das nur ein kleiner Stau, in der Gegenrichtung standen aber kilometerweit Lastwagen an Lastwagen und warteten auf die Weiterfahrt. Also definitiv kein Sonntagsfahrverbot, ich bin immer noch etwas blauäugig! J

In den Ostkordilleren gibt es auch viele vom Regen ausgewaschene Pisten. Wir bogen auf einen dieser Holperwege ab, weil er zur Ruine der Kirche von Garmalote führt. Hier begrub am 16. Dezember 2010 ein Erdrutsch nach tagelangem Regen einen ganzen Stadtteil unter Schlamm. Von den Wohnhäusern ist heute nichts mehr zu sehen, nur die baufällige Kirche ragt am ehemaligen Hauptplatz in den Himmel. Vorsichtig kletterten wir über das Geröll im Innern der Ruine und hofften, dass nicht ein kleines Erdbeben genau in diesem Moment den Kirchenturm zum Einstürzen bringen würde… Weiter oben wird ein anderer Stadtteil immer noch bewohnt, obwohl auch hier nicht mehr alles zum Besten steht und der ganze Ort eigentlich evakuiert werden müsste. Auf der anderen Talseite sahen wir dann Neu-Garmalote: Tausende kleine aneinandergebaute, weisse Häuschen. Mit neuem Marktplatz, neuer Schule und Hochschule, neuer Kirche mit Plaza Central aber ganz und gar ohne Charme. Die ersten Häuser konnten vorletztes Jahr bezogen werden. Da brach gleich mal die Strom- und Wasserversorgung zusammen. Im nagelneuen Schulhaus fehlten die Tische und Stühle, denn das Geld dafür war nicht mehr auffindbar. Kein Wunder, verharren viele Einwohner noch in ihren alten Häusern, obwohl diese in der Gefahrenzone stehen.

Wir fuhren Richtung Cucuta nahe der venezolanischen Grenze. Das kleine Städtchen Villa del Rosario ist die Wiege Gross-Kolumbiens (Kolumbien Panama, Ecuador und Venezuela). Im Jahre 1821 nahmen namhafte Unabhängigkeitshelden wie Antonio Nariño, Simon Bolivar, Francisco de Paula Santander und viele andere an einem Kongress teil. Nach langen Debatten wurde am 3. Oktober die erste Verfassung des neuen Staates Gran Colombia beschlossen. Darin wurde die Sklavenbefreiung festgelegt, die Inquisition abgeschafft, das Wahlrecht für Männer über 21, die mindestens 100 Piaster besassen, festgeschrieben, die Regierungsform geregelt und ein Zweikammerparlament eingeführt. Bolivar wurde Präsident, Santander sein Vize.

Auf der Fahrt hierher hatten wir eines gelernt: In Kolumbien kommt man nur langsam voran! Viele Strassen sind in einem schlechten Zustand, also gespickt von Löchern im Asphalt, in denen man einen Kleinwagen versenken könnte. Geht es dann in die Berge, schleicht man hinter den langsamsten Lastwagen der ganzen Welt her. Auf den kurvigen Strecken sind Überholmanöver eine gewagte Sache und für unseren Landcruiser bergauf kaum machbar. So hiess es sich in Geduld üben und Abgase einatmen.

Auf den Strassen über die Berge in Richtung Bucaramanga und Bogota fuhren wir an vielen venezolanischen Flüchtlingen vorbei. Schon in Santa Marta am Meer und in Pamplona waren wir ihnen begegnet: Familien mit Babys und Kleinkindern, denen nicht bleibt als die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Kalt war es in den Bergen und die Flüchtlinge liefen in Decken eingewickelt. Ca. alle 35km waren Rotkreuzzelte aufgebaut, wo sie essen und etwas Warmes trinken konnten und vielleicht in einer Ecke die Nacht verbringen.

Man fragt sich schnell einmal, wieso ein Land wie Kolumbien, das selbst mit grosser Armut zu kämpfen hat, diese Flüchtlinge so selbstlos aufnimmt? Ein Kolumbianer erklärte uns, dass in der Vergangenheit viele Kolumbianer Flüchtlinge waren und von Venezuela aufgenommen wurden. Jetzt geben sie das zurück. Wer einen Pass und ein gutes Leumundszeugnis hat, darf ins Land und erhält eine Arbeitsbewilligung. Wer das nicht hat, kommt über die grüne Grenze und schlägt sich mit betteln durch. Ihr merkt schon, Kolumbien mit seinen vielen Problemen berührt mich sehr.

Playa de Belen
Der Nationalpark "Los Estoraques"
hübsche Blümchen...
und Fingerkuppen-grosse Orchideen...
zwischen ausgewaschenen Sandsteinformationen.
hoppla
Die baufällige Kirche von Gramalote.
 
 
Urnengräber in der Kirche
Hier in Villa del Rosario wurde die erste Verfassung von Grosskolumbien ausgearbeitet
Pamplona. Der Mann putzt ein bisschen Gehsteig und bittet dafür die Passanten um Geld...
Orchidee
Strassenbauarbeiten führen immer wieder zu Staus. Die Gräben werden in Handarbeit ausgehoben!

Wir brauchten Erholung von den vielen Stunden im Auto. Ausserhalb von Barichara hat ein holländisches Paar eine Finca umgebaut und einen Platz für Overlander wie uns eingerichtet. Wunderschön ist es dort mit Blick ins Tal und auf den gegenüberliegenden Bergzug. In der Umgebung hat es viele Wanderwege und auch Filou kam endlich wieder mal

voll auf seine Rechnung. So wanderten wir an einem Tag von der Finca aus auf dem uralten spanischen Weg „Camino Real“, antiken indigenen Handelswegen folgend, ins Dorf Guane. Hier lebten in der Vor-Spanischen Zeit rothaarige, blauäugige Indigene. Anstatt sich den Spaniern zu unterwerfen, stürzte sich der Grossteil des Volkes über die Klippen in den Tod.

Von hier nahmen wir den Bus hinauf nach Barichara und liefen den schmalen Bergweg zurück zur Finca. Die anderen Tage verliess Filou morgens das „Haus“ und hängte mit den anderen Campern ab, um abends wieder zum Essen aufzutauchen. Er genoss die Freiheit.

Das nächste Kolonialstädtchen, das wir besuchten, war Villa de Leyva. Mitten im Zentrum hat es einen Campingplatz, wo wir uns für zwei Nächte niederliessen. Anzuschauen gab es viel: grüne Baggerseen (Pozos Azuelas), ein Dinosauriermuseum, das um die Knochen eines beinahe vollständig erhaltenen Kronosaurus gebaut wurde, eine archäologische Kultstätte des Muiscas-Volkes mit phallusförmigen Steinmonolithen auf grüner Wiese (El Infiernito genannt J) und als mein Favorit die Casa Terracotta, in die ich gleich einziehen würde.

Auf dem weiteren Weg Richtung Bogota besuchten wir eine Saline, kauften im Milchkühe-Gebiet feinen französischen Käse und besichtigten in Zipaquira die eindrucksvolle Salzkathedrale. Nach so viel Stille und Andacht schwangen wir im Restaurant „Andres Carne de Res“ das Tanzbein, assen sehr lecker und übernachteten gleich auf deren Parkplatz.

Sonnenuntergang beim Guaimaro Campsite bei Barichara
Das holländische Paar hat die Finca umgebaut. Hier ein Blick in den offenen Wohnbereich von Joop und Julia (Julia ist Architektin)
Das Dorf Guane
Barichara
Barichara, eines der schönsten Kolonialstädtchen Kolumbiens
Blick zurück nach Barichara...
und hinunter zum Campingplatz
Eine Gasse in Villa de Lejva
Villa de Lejva vom Mirador Sagrado Corazon aus
Weihnachtlich dekoriert
Die riesige Plaza Mayor
Pozos Azules
Casa Terracota
Sofa
Badezimmer
Schlafzimmer
Küche
Die archäologische Stätte "El Infiernito"
Manche stehen, andere nicht...
Eingang zur Tumba Dolmenica
Das an Ort und Stelle gefundene Skelett eines Kronosaurus (120 Millionen Jahre alt)
Führung durch das Convento Monasterio de la Candelaria. Gegründet 1597 von Augustinermönch Fray Mateo Delgado.
 
Mobile Melkanlage. Bauer geht zur Kuh und nicht umgekehrt.
und die Milch wird gleich dort abgeholt.
In der Mina De Sal in Nemocon.
Altersausflug in die Salzmine
in diesem Raum wurde der Spielfilm "69 Tage Hoffnung" (Los 33) über das chilenische Minenunglück gedreht.
In der Salzkathedrale von Zipaquira
 
Das Kreuz ist aus dem Felsen herausgeschnitten und nur die Beleuchtung lässt einem glauben, es sei da aufgehängt.
Nachtessen im "Andres Carne del Res" in Chia

In Bogota angekommen standen wir gleich mehrmals im Stau. Also steuerten wir ein Shoppingcenter an und verbrachten die Rushhour dort. Danach waren wir schnell beim bewachten Parkplatz im Zentrum, wo wir campierten. Gleich nebenan war ein Park zum Filou Gassi führen. Zwar lasen wir im Reiseführer, dass man unter der Woche besser nicht hindurchspazieren soll wegen Überfällen, aber als wir dort waren, hatte es immer viele Leute dort, so dass es uns nie mulmig wurde. Der Carrera 7 folgend (grösstenteils Fussgängerzone) gelangen wir in 15 Minuten zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt. Wie in Cartegena nahmen wir wieder an einer Free Walkingtour teil und erfuhren (in Englisch) vieles über die Stadt und ihre Bewohner, über die Farc und die Paramilitärs und die Probleme Kolumbiens. Die drei Stunden verflogen im Nu. Danach wechselten wir uns bei Museumsbesuchen ab, da Filou nicht mit hineindurfte. Im Goldmuseum sind ca. 35’000 Objekte aus präkolumbianischem Gold, Silber und Platin zu bewundern. Die filigranen Artefakte sind ein Bruchteil der tatsächlich von den indigenen Völker hergestellten Gegenstände. Das meiste wurde eingeschmolzen und von den Eroberern als Goldbarren nach Spanien geschickt.

Übrigens erhielt ich hier ungefragt einen Gratis-Eintritt für Senioren! Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass der Tag für mich gelaufen war!!! L

Viel Spass machte uns beiden das Botero Museum. Die Bilder und Skulpturen sind charmant und witzig.

Am Samstag trafen wir unsere ehemalige Austauschschülerin Allison und ihre Mutter zum Mittagessen. Wir wurden von der jungen Dame zu typisch kolumbianischen Leckereien eingeladen. Es gab unter anderem Blutwurst und frittierten Schweinsdünndarm, frittierte Schwarte und zum Dessert geschmolzener Käse mit Caramelsauce…

Allison hat nach ihrem Jahr in der Schweiz Jus studiert und arbeitet als Anwältin. Morgens studiert sie an der Uni von 7:00 Uhr bis 13:00 Uhr Steuerrecht, danach geht sie in die Kanzlei und arbeitet dort bis etwa 21:00 Uhr! In zwei Jahren möchte sie dann vielleicht in den USA den Master machen.

Die Stunden gingen schnell vorbei und beladen mit vielen Tipps, was wir in Kolumbien unbedingt anschauen oder probieren sollten, verabschiedeten wir uns von den Zweien. Wir werden weiterhin miteinander in Kontakt bleiben.

An diesem Abend fand in Bogota die Nacht der Kerzen statt. In den Fenstern und vor den Haustüren, auf Gehsteigen, unter Bäumen, auf Plätzen und in Parks zündeten die Bewohner Kerzen an. Die ganze Stadt war auf den Beinen, überall standen Menschen beisammen und in „unserem“ Park war vor lauter Besucher kein Fleckchen grün mehr zu sehen. Es gab Gratiskonzerte und man prostete sich mit Gewürztee mit oder ohne Schnaps zu.

An Sonntagen wird die Hälfte der Strassen im Zentrum der Stadt für Autos und Motorräder gesperrt und den Fahrradfahrern und Fussgängern übergeben. Und Kolumbianer sind begeisterte Radfahrer! Wir spazierten indes durch die Strassen bergan zur Talstation der Seilbahn und Standseilbahn auf den Hausberg Cerro de Monserrate, Filou im Schlepptau. Bevor wir uns in die Schlange der Wartenden stellten, fragten wir, ob Hunde mitfahren dürfen. Ja aber sicher doch, wir müssten aber die Impfungen vorweisen können. Als ob wir den Hundepass auf einem Sonntagsspaziergang dabei hätten! So machten wir etwas verstimmt (vor allem ich) kehrt und schlenderten zurück ins Zentrum und durch den Stadtteil Candelaria. Am nächsten Morgen wollten wir Bogota verlassen, beschlossen aber, am Morgen doch noch auf den Monserrat zu fahren. Die Aussicht auf die gigantische, ausufernde Millionenstad ist fantastisch.

Plaza Bolivar. In Bogota stehen nicht mehr sehr viele coloniale Gebäude. Sie fielen dem Volksaufstand von 1948 zum Opfer. Das Gebäude auf dem Bild ist das Justizgebäude von 1999, das alte wurde 1985 von den M-19-Guerilleros besetzt und durch schweren Beschuss durch Panzer der Armee beschädigt.
Mega-Busse!
auf der "Septima", der Fussgängerstrasse Carrera 7
Bei unserer Walkingtour bekommen wir das leicht alkoholische Getränk "Chicha" zum probieren. Es gibt schlimmeres. Aber auch viel besseres!
 
Filigrane Goldmuscheln aus vorkolonialer Zeit im Goldmuseum
Das berühmte "Balsa Muisca" ist ein Miniaturfloss (19,5 cm x 10,1 cm). Es stellt die Eldorado-Zeremonie dar und gilt als Beweis für die Echtheit der Eldorado-Legende. (gemäss Internet...)
Mit diesem Gefährt werden Hunde für die Tagesbetreuung abgeholt.
 
Auf der geschäftigen "Septima"
 
Unsere ehemalige Austauschschülerin Allison und ihre Mutter Marisol
Nacht der Kerzen am Vorabend zu Maria Empfängnis
 
gefüllte Arepas
Volksauflauf mit Kerzen
 
Vergnügliche Stunde im Museo Botero
Mona Lisa
 
 
 
Bogota vom Cerro de Monserrate aus gesehen

Von Bogota aus fuhren wir südlich zur Desierto de la Tatacoa (Klapperschlange), eine 330 km2 grosse Trockensavanne. Regen fällt sehr vereinzelt im April/Mai und Oktober/November oder wenn wir gerade dort sind, auch im Dezember! Aber am ersten Tag war es noch sonnig und heiss. Wir fuhren gemächlich auf Schotterpisten durch den Park und bestaunten die hübschen Formationen. Ein Spaziergang an der prallen Sonne durch die trockene Wüste endete bei einem surreal anmutenden Schwimmbad. Natürlich genossen wir die Abkühlung! Die Nacht verbrachten wir am Rande eines roten Canyons, dessen Formationen an den Bryce Canyon erinnern. Und in dieser Nacht regnete es eben, obwohl es gar nicht hätte regnen dürfen. Als ich am anderen Morgen mit Filou durch die roten Sandsteinkliffs spazierte, blieb die Erde an meinen Schuhen und Filous Pfoten kleben…

Nach der grossen Schuh-/Pfotenwäsche fuhren wir nach San Augustin zu einer der bedeutendsten archäologischen Fundstätte Kolumbiens. Die Besiedlung San Augustins begann 1’100 v.Chr. Die zu bewundernden riesigen, aus Lavastein und Basalt gehauenen Statuen, die Grabanlagen und Erdwälle stammen aus der Zeit zwischen 200 v.Chr. bis 700 n.Chr.

Von hier aus führte unser Weg über die Berge. Wir befuhren die Trampolina del Muerte, eine unbefestigte Passstrasse. Der Strassenname erweckte leichtes Gruseln und die Serpentinen hatten es in sich. Aber lebensgefährlich war das nun wirklich nicht! Es hatte viele breite Stellen, um den Gegenverkehr passieren zu lassen und sonst setzte man halt ein paar Meter zurück. Zudem herrschte Nebel, so dass wir gar nicht sahen, wie steil es neben der Strasse in den Abgrund ging. Wir schafften die Strecke nicht an einem Tag, da die Anfahrt von San Augustin schon lange war. So übernachteten wir auf 2800m.ü.M unter einigen Antennen. Der Antennenwärter hiess uns wärmstens willkommen und wir dankten seine Gastfreundschaft mit ein paar Biers. Am nächsten Morgen wurde er von seiner 8 Tage-Schicht abgelöst und wir nahmen ihn mit ins Tal.

Kurz vor der ecuadorianischen Grenze besuchten wir das Santuario de Las Lajas. Einem Mythos zufolge wurde 1754 eine indianische Magd mit ihrer taubstummen Tochter in der Schlucht von einem Gewitter überrascht. Zwischen Blitz und Donner begann das kleine Mädchen plötzlich zu sprechen und deutete auf einen Felsen, wo sich die Gestalt der Jungfrau Maria abhob. An diesem Ort wurde zuerst eine Kapelle errichtet, zwischen 1916 und 1949 entstand die heutige spektakulärere Kirche an oben erwähnter Felswand über der Schlucht. Jedes Jahr pilgern Menschen aus Kolumbien und Ecuador hierher, um Heilung zu erbitten. Eine riesige Menge an Votivtafeln an den Berghängen verkünden bereits vollbrachte Wunder. Während unseres Besuchs fand gerade eine Messe statt vor vollen Sitzbänken.

Am nächsten Tag verliessen wir Kolumbien, ohne die Hälfte des Landes gesehen zu haben. Aber wir hatten eine Reservation für die Galapagosinseln über Weihnachten/Neujahr und hatten schon vor einiger Zeit entschieden, im Januar nochmals nach Kolumbien zurück zu kehren.

Alte Eisenbahnbrücke. Die Strasse führte uns durch zwei hohe, schmale Tunnels, die ursprünglich für den Schienenverkehr gebaut wurden.
 
Unterwegs in der Tatacoa-Wüste
 
 
 
Spaziergang durch einen heissen Canyon.
Herrliche Abkühlung im Wüsten-Pool
Klein-Bryce Canyon
Kaktus mit Blüten und essbaren Früchten
 
Wir übernachteten hoch über dem Ort Gigante. Die Bergstrasse war sehr steil und man wollte uns zuerst nicht rauffahren lassen, weil sie dachten, wir würden einen Rückwärts-Purzelbaum mit unserem Womo machen. 🙂
In der Ausgrabungsstätte San Augustin: Vogel frisst Schlange
2000-jährige, bearbeitete Steinplatte. Das Wasser kann ein- und ausgestellt werden.
Die Umgebung von San Augustin
Grabwächter
Steinsarg in Grabkammer
so schaut ein Teil der Trampolina del Muerte auf den Navi aus
einspurige Strasse, aber genügend Ausweichstellen. Dank dem Nebel sahen wir nicht, wie steil es neben der Strasse hinunter ging...
Sonnenuntergang bei unserem Antennen-Übernachtungsort.
Santuario de Las Lajas
Votivtafeln als Dank für die wundersamen Heilungen
Volle Kirchenbänke
 
Da ja selten dieselben Autos zusammenstossen, sollte das auch auf dem Strassenschild nicht so sein!
Liebe zum Detail
Diese Tafel gibt es auch mit einem Rennrad
Hilfe! Die Strasse wird breiter! Jetzt bloss nicht überholen...
Wir wissen immernoch nicht, was das bedeuten soll. Halbschlaf? Traurig?
 
 
 
 
 
 
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