Sierra Madre Occidental und Oriental, 15. Bericht

21.10. – 25.11.2018

Nach der gemeinsamen Überfahrt auf der Lastwagenfähre von La Paz/Baja California Sur nach Topolobampo/Mexiko Festland verabschiedeten wir uns von Karin und Andi und Sylvia und Richard. Sie fuhren gleich zum Copper Canyon, wir fuhren der Küste nach südwärts. Kaum waren wir richtig unterwegs, erreichte uns eine WhatsApp der Vier, dass ein Hurrikan der Stärke 5 genau auf die Küste zurase und wir uns in Acht nehmen sollten. Hier nochmals ein grosses Dankeschön! Wir wären voll hineingefahren! So hielten wir uns nördlich und warteten den Durchzug des Sturmes ab. Er traf dann mit der Stufe 3 an Land und verursachte wenig Schäden, ein paar überflutete Äcker und Plantagen, ein paar umgeknickte Bäume und Strassenschilder, ein paar verschlammte Dörfchen und unterspülte Strassen. Mazatlan wurde ganz verschont und wir bummelten durch die lebhafte Stadt (Hauptstadt der Garnelen), schlürften Margaritas und stopften uns mit Tacos voll.

In San Blas liessen wir uns von abertausenden Sandfliegen, die ihren Weg ins Wohnmobil fanden, stechen. Was für eine scheussliche Nacht und was für scheussliche Tage danach! Mich juckt es jetzt noch, wenn ich daran denke! Und Krankheiten können diese Viecher auch übertragen. Filou trägt dagegen sein Scalibor-Halsband, aber wir? Wir hatten Glück.

Nun kehrten wir dem Meer den Rücken (ich war fast ein bisschen froh 😉 ) und fuhren durch die üppig bewachsene Landschaft zum Ceboruco Vulkan. Der aktive Vulkan brach zuletzt 1870 aus, die zwei Krater und drei Aschekegel können also unbesorgt erwandert werden. An manchen Stellen dampft es aus Fumarolen aber wirklich gefährlich sind die neugierigen Kühe! Felix bewaffnete sich gleich mit einem Knüppel! 🙂 Wir übernachten bei einem ehemaligen Picknick-Platz. In das ganze Gebiet wurde einmal viel investiert. Leider sind die Gebäude verfallen, die Wanderwege nur noch schlecht markiert und die Infotafeln unleserlich. Dafür waren wir fast alleine da oben.

Richard und Sylvia warten darauf, auf die Lastwagenfähre fahren zu dürfen. Das dauert...
Schlussendlich sind alle Lastwagen und drei AlphaCabs an Bord. Millimeterarbeit!
Nach einer nicht sehr angenehmen Nacht, wurden wir auf dem Festland von Mexiko wieder ausgespuckt.
Der Halbdrache Nepomuk
Wir halten uns ein paar Tage nördlich des Gebietes auf, wo Hurrikan Wila ans Land treffen wird. Wind, hohe Wellen und Regen bekommen wir aber trotzdem mit.
Aber auch sagenhafte Sonnenuntergänge!
Mazatlan
schmale Einbahngässchen
Überall kann man Garnelen in verschiedenen Grössen kaufen
 
Hurrikan Wila hat einige Äcker und Plantagen unter Wasser gesetzt
üppig wuchernder Urwald im Landesinneren
Einer der Krater des Vulkans Ceboruco
Auf den Laubbäumen wachsen Farne und Orchideen
Fumerole

Wieder unten im Tal folgen wir der Tequila-Strasse nach Guadalajara. Hier übernachteten wir 2 Mal auf einem bewachten Parkplatz im Zentrum der Stadt und genossen die vielen Fussgängerzonen, die riesige Markthalle und das absolut untouristische Flair der Stadt. Ganz anders geht es in Guanajuato zu und her! Diese Stadt wurde uns von unserer Spanischlehrerin in La Paz für die „Dia de los Muertos“ empfohlen. Die Stadt gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. An den Hügeln kleben bunte Häuser, im Zentrum gibt es wunderbare koloniale Gebäude und schöne, baumbestandene Plätze. Wir liefen über Kopfsteinpflaster durch die Gassen, besuchten Kirchen und Kathedralen. Auf dem Friedhof wurden die Gräber schön dekoriert und das Mumienmuseum wurde auch von einer Kindergartenklasse besucht. Der Umgang mit dem Tod scheint hier ein anderer zu sein! In vielen Hauseingängen wurden Altare für die Verstorbenen erstellt. Orange Blumen weisen den Toten den Weg nach Hause, das Lieblingsgetränk und die Lieblingsspeisen stehen bereit. Auch im „Museo y Casa de Diego Rivera“ stand ein Altar zu Ehren des Malers und seiner Frieda Kahlo.

Abend war viel los. Spannend waren die „Callejoneadas“: Gruppen von professionellen Sängern und Musikern in traditionellen Kostümen führen eine Menge von Zuschauern durch die Gassen, erzählen Witze und Geschichten, man singt gemeinsam Volkslieder, es fliesst Saft und Alkohol. Vor allem wenn man spanisch versteht, macht das Ganze Spass und ist eine traditionelle Party. Wie es dabei den Anwohnern geht, wenn sich Abend für Abend 10 Gruppen nacheinander lautstark durch ihre Gassen zwängen?

Am 2. November gestalteten verschiedene Gruppen „El Tapete de la Muerte“ in den Gassen. Mit Blumen, eingefärbtem Reis, Sand und Holzspänen wurden Gemälde auf die Strassen „gemalt“, farbenfroh und vergänglich. Der Bürgermeister persönlich bewertete die schönsten „Teppiche“. An jeder Ecke stand eine Catrina: Eine Skelett-Dame mit pompösem Kleid und Hut. Auch Totenschädel waren allgegenwärtig.

Die Ruta del Tequila befuhren wir am Morgen und hatten gar keine Lust, in einer der Destillerien anzuhalten...
Eine der vielen Kirchen in Guadalajara. Übrigens bleiben die Türen der Kirchen während des Gottestdienstes offen und man kommt und geht, wie man will.
Die Kathedrale Guadalajaras
In der riesigen, dreistöckigen Markthalle kann man alles kaufen. Von Obst und Gemüse...
...bis hin zu reichverzierten Sätteln und schönen Cowboy-Stiefeln. Letztere hier in Mexiko hauptsächlich für Männer! 🙁
 
In Guadalajara begeneten wir keinen Touristen, im schicken Vorort Tlaquepaque wimmelte es aber von Amerikanern!
 
Alles aus Ton im Ton-Museum
Die Kathedrale von Guanajuato
Hügeli uuf und Hügeli ab. Bunte Häuser an allen Berghängen!
Bunt muss es sein!
 
 
Es gibt eine Standseilbahn, die zu einem Aussichtspunkt über der Stadt führt. Aber nicht für Hunde... so mussten wir zu Fuss da hoch!
gelbe Kathedrale vor weiss-grauer Uni
Der Beginn einer "Callejoneada", einer Party durch die Gassen der Stadt
Wenn es in den Strassen quietscht, ist die nächste Tortilleria nicht weit!
Die Gräber werden für die Dia de los Muertos schön mit Blumen dekoriert.
Gleich hinter dem Friedhof ist das Mumienmuseum. Wenn für die Gräber nicht mehr bezahlt wird, werden sie nach einigen Jahren ausgeräumt. Etwa 20 Prozent der menschlichen Überreste werden mumifiziert vorgefunden. Man vermutet, dass es mit der trockenen Luft zu tun hat.
Um die Altare zu Ehren der Verstorbenen zu dekorieren, werden überall Zuckerwaren angeboten. Auch Zucker-Särge und Zucker-Totenschädel.
Altar zu Ehren von Diego Rivera und Frieda Kahlo
Dekorierte Treppe zur Uni
Die Tapete de los Muertos werden gerade fertiggestellt
 
 

Nach drei spannenden Tagen fuhren wir weiter nach San Miguel de Allende, die nächste zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Stadt. In der Innenstadt stehen schön renovierte Kolonialgebäude aufgereiht, kleine Märkte mit Kunsthandwerk ziehen den Touristen das Geld aus den Taschen und Bräute humpeln hochhackig über Kopfsteinpflaster. Wahrlich bietet die Stadt eine sagenhafte Kulisse für die Traumhochzeit: schön herausgeputzt und gepflegt. Übrigens sollen hier viele US-Bürger wohnen…

Am Sonntag regnete es in Strömen, als Fussgänger eine unangenehme Sache. Mangels Abwasserkanälen fliessen Flüsse die Gassen herunter und füllen zuunterst riesige Pfützen. Will man die Strasse überqueren, muss man die Situation lange analysieren und sich den besten Weg zurechtlegen. Die Gehsteige sind gut erhöht, leider enden die Rohre der Flachdachentwässerungen genau Mitte Gehsteig… Wir blieben trotzdem eine zweite Nacht und zogen dann in Richtung Jalpan de Serra weiter. Hier lockt uns der Biosphärenpark Sierra Gorda. Die Informationen dazu sind spärlich und die Dame im Touristencenter hatte schlicht keine Ahnung. Wir kauften also einige Karten der Umgebung und Felix versuchte, eine sinnvolle Route durch den Park zu planen. Als erstes wollten wir eine Höhle besuchen und fuhren dazu durch die sehr enge Gasse eines Dorfes. Ich erhaschte einen klitzekleinen Wegweiser am Wegrand aber keinen Ort, wo wir Emma stehen lassen könnten, ohne dabei den ganzen Verkehr zum Zusammenbruch zu bringen. Ok, die Höhle wurde von der Liste gestrichen. Nächstes Ziel war die Puente de Dios, eine Wanderung durch eine Schlucht zu einem Wasserfall in einer Höhle. Das war ein tolles Erlebnis, obwohl ich auf einem Stein ausrutschte und im Fluss baden ging… Das Wasser war warm und alle andern waren am Ende auch nass! Wir mussten das Flüsschen mehrmals queren, manchmal auf wackeligen, im Wasser liegenden Holzbrücken, manchmal über Trittsteine. Die Schlucht war eng und wenn es im Wasser nicht mehr weiterging, führten Leitern die Felsen hoch. Ich trug den Rucksack, Felix mühte sich mit einem wenig begeisterten Filou ab. Manchmal musste Felix den Hund unserem 14-Jährigen Guide reichen, welcher seine Freude daran hatte! Für mich und Filou endete der Weg in der Höhle, wo das Wasser aus Felsrohren in die Tiefe rauscht. Felix und die zwei Argentinier wateten durch hüfttiefes Wasser weiter und kletterten weiter die Schlucht hoch. Filou zitterte wie Espenlaub, wahrscheinlich nicht weil er fror, sondern weil er wohl mit seinen Nerven am Ende war.

Am Nachmittag besuchten wir einen weiteren Wasserfall. Die Becken unterhalb des Wasserfalls sind sehr schön gemacht und der Weg dahin ist einfach, an das Erlebnis vom Morgen reichte die Cascada El Chuveje aber nicht heran. Dafür durften wir hier im Eingangsbereich übernachten und wurden nachts eingesperrt. Nur wir und zwei mexikanische Camper, die beim Wasserfall ihre Zelte aufgeschlagen hatten.

Ein grosses Highlight des Parks ist die zweitgrösste Einsturz-Doline der Welt. Diese wird von Grünen Aras bewohnt! Wir fuhren also über Berge und schmalen Schotterpisten zum Dorf Santa Maria de los Cocos. Hier wollten wir uns einen Führer organisieren und am nächsten Morgen um vier Uhr noch im Dunkeln losmarschieren, um das Erwachen der Papageien zu hören und ihren gemeinsamen Ausflug aus der Höhle zu erleben. Leider kam es anders. Man teilte uns mit, dass es morgen nicht gehen würde, sondern dass wir gleich losmarschieren müssten. Keine Ahnung, warum das so war. Der Weg führte über zwei Stunden sehr steil den Berg hoch. Kühe weideten im Wald und an stutzigen Hängen wuchs auf kleinen Feldern Mais. Hier wird von Hand geerntet und Esel tragen die Last zu Tale. Ich keuchte und mir wurde bei jeder Pause schwindlig. Bald merkte ich, dass es von der Zeit her nicht reichen würde, die Papageien zu sehen, wenn ich so den Berg hochschnecken würde. Als ich schon total entkräftet war, meinte der Guide, dass es noch etwa 40 Minuten weiter steil den Berg hochgehen würde. Das war der Zeitpunkt, wo ich streikte und die Männer alleine losschickte. Ich blieb mit Hund zurück. Nach zehn Minuten kletterte ich weiter und irgendwann hatte mich der Hund den Rest des Berges hochgezogen, ich fand die Männer und wir standen gemeinsam am Rand des 400 Meter tiefen Lochs. Sie erzählten, sie hätten noch die letzten paar Papageien nach Hause zurückkehren sehen und ihr Geschimpfe gehört. Als ich oben war, herrschte Ruhe. Nun mussten wir den Weg auch wieder runter und das bei einbrechender Dunkelheit. Ich rutschte einige Male aus und wusste nicht, ob das, was an meinen Händen klebte nun Erde oder Kuhfladen war… Ganz entkräftet (zumindest ich) kamen wir beim Womo an und konnten uns im Touristencenter (mit Zimmern und Bädern) zu einem stärkenden Abendessen an den Tisch setzen. Hier las ich dann, dass man sich für umgerechnet 12 sFr. ein Maultier hätte mieten können… Das nächste Mal gehe ich morgens mit Maultier hoch! Unsere Köchin setzte sich mit ihrem Sohn zu uns an den Tisch und wir fragten sie über die Schule aus. Nach drei Jahren obligatorischem Kindergarten folgen 6 Jahre Primarschule. Danach kommen drei Jahre Sekundarschule und danach evtl. drei Jahre Prep als Vorbereitung für die Uni. Also wie bei uns. Spannend fanden wir, dass alle Schulstufen in diesem 700-Seelen Dorf angeboten werden. Weil die Schulzimmer knapp sind, teilen sich die Sekundarschüler und die Prep-Schüler die Schulzimmer: Sekundarschüler gehen von 8-13Uhr zur Schule, Prep-Schüler von 14-19Uhr. Genial einfach. Ich meinte, das seien aber arme Lehrer, die Dame klärte mich aber auf, dass es nicht dieselben Lehrer seien!

Samstagnachmittag zum Flanieren und im Park sitzen... San Miguel de Allende eignet sich gut dazu
Konnten die Häuser in Guanajuato nicht bunt genug sein, herrschen hier edle Ocker- und Terracottatöne vor
Auch hier Musik in allen Gassen
 
Tequisquiapan, der geografische Mittelpunkt von Mexiko
 
Wunderschöne Missionskirche in Tequis
Möbeltransport auf mexikanisch!
Die geschnitzte Steinfassade der Missionskirche in Jalpan de Serra in der Sierra Gorda
In der Schlucht Puente de Dios
Das Wasser schiesst aus Felsröhren, angenehm warm!
 
wunderschöne und abenteuerliche Wanderung im Fluss
Danach brauchen wir eine Stärkung! Unsere Gorditas werden frisch zubereitet und nach unseren Wünschen gefüllt
Dann spazieren wir an schön angelegten Pools vorbei...
... zum nächsten Wasserfall "El Chuveje"
Die Schotterpisten über die Berge nach Santa Maria de  los Cocos teilt man sich mit Kühen und Eseln.
Auf der schmalen Strasse sind schon einige Leute gestorben...
Blick vom Aufstieg zum Sotano del Barro (Einsturzdoline) zurück Richtung Dorf.
Die Sotano de Barro, mit 410 m die zweittiefste Einsturzdolin der Welt. Psst! Die Grünen Aras, die hier leben, schlafen schon!
Noch eine schöne Missionskirche in Arroyo Secco

Auf dem Weg nach San Luis Potosi übernachteten wir auf dem Parkplatz der Laguna de la Media Luna bei Rio Verde. Die Laguna ist etwas wie ein Freibad, bloss schwimmt man in glasklaren Kanälen und Seen. Und das Wasser ist warmes Thermalwasser! Hier kann man sogar Schnorcheln und Tauchen. Während Felix arbeitete, ging ich schwimmen. Es war Freitag und viele mexikanisch Familien hatten ihre Zelte auf dem Gelände aufgestellt und würden hier im grünen Paradies das Wochenende verbringen. Vorläufig hatten sie nicht viel mehr zu tun, als mich zu beobachten und anzustarren. Hm, sehr unangenehm, als einzige Hellhaarige unter all diesen Mexikanern zu sein! Ich schwamm 40 Minuten und verdrückte mich dann wieder ins Wohnmobil! 🙂

Zwischen San Luis Potosi und Zacatecas übernachteten wir auf einem Campingplatz in einem klitzekleinen Dorf an einem grüseligen Stausee. Wir gingen ins Dorf zum Nachtessen: Es gab Poulet vom Grill mit Salat und Tortillas. Dazu ein feines Bier. Die Schüsse, die ab und an fielen, versuchten wir als Feuerwerk abzutun. Schliesslich mussten wir ja noch im Dunkeln nach Hause laufen, da ist es besser, seiner Phantasie nicht freien Lauf zu lassen!

Am nächsten Tag erreichten wir Zacatecas und stellten uns für die Nacht auf den öffentlichen Parkplatz des Museo de Arte Abstracto Manuel Felguerez. Der Parkplatzwärter liess uns für 50 Pesos gewähren und behielt unser Wohnmobil während unserer Stadtbesichtigung im Auge. So liefen wir beruhigt den ganzen Nachmittag durch die Gassen und über die Plätze der Stadt und hatten auch noch Zeit, das besagte Museum zu besuchen. Am nächsten Morgen marschierten wir den Hügel hoch und besichtigten die alte Silbermine. Am Wochenende verwandelt sich ein Teil der alten Mine in eine Diskothek!

Irgendwie fühlte ich mich nicht so gut, ich hatte Gliederschmerzen und ich konnte nur noch langsam laufen. Trotzdem nahmen wir die Gondelbahn zum Cerro de la Bufa, von wo aus man einen tollen Blick über die Stadt hat. Ich setzte mich in die Sonne und Felix kletterte auf den Gipfel. Zurück in die Stadt gingen wir zu Fuss und kletterten am gegenüberliegenden Hügel wieder hoch, zurück zu unserem Parkplatz. Nachdem Felix zu Mittag gegessen hatte, fuhren wir vor die Tore der Stadt zu den Ruinen von La Quemeda. Die genaue Geschichte der archäologischen Stätte ist immer noch ein Rätsel. Bewohnt wurde sie zwischen 300 und 1200 n.Chr. von bis zu 3’000 Menschen. Felix und Filou bestiegen die Hügel und bestaunten die Halle der Säulen, den Ballspielplatz, die Opfer-Pyramide und die steile Treppe zum höchsten Punkt des Haupthügels. Von da aus gelangt man auf einem Pfad zu einer weiteren Gebäudegruppe, welche La Ciudadela genannt wird (Zitadelle). Ich lag derweil mit Fieber im Bett. Auch den nächsten Tag verbrachte ich schlafend, während Felix uns nordwärts chauffierte. Von alledem bekam ich nur die Übernachtungsplätze mit, in jetzt viel trockenerer Landschaft, aber nicht minder schön.

Die Kathedrale von Zacatecas
Die Stadt von oben
Im Museum für Moderne Kunst
Eine Zeitlang diente das Museumsgebäude als Gefängnis
Bei der AusgrabungsstätteLa Quemada
 
 
 
Ein verwunschener Übernachtungsplatz im Juhee
 
Im Biosphärenpark Mapimi. Je weiter nördlich, desto trockener wird die Landschaft

Am 15. Nov. erreichten wir Chihuahua und mieteten uns für drei Nächte ein Hotelzimmer im Ibis. Felix brachte die gesamte Wäsche in eine Wäscherei, Emma wurde geputzt und etwas neu bepinselt (Filous Ausbruchversuche, wenn er alleine ist, müssen immer mal wieder übermalt werden). Während ich mich nochmals auf die andere Seite drehte, fuhr Felix am Samstag früh zum Flughafen und holte unseren Sohn Yannik ab. Bald schon zogen die zwei los, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu entdecken. Da gibt es nicht viel und nach dem Mittagessen standen sie schon wieder auf der Matte. Zusammen nahen wir ein Taxi und besichtigten das Museo Casa de Villa. Pancho Villa gilt für die einen als gemeiner Mörder, während ihn die anderen als Robin Hood und Held der Revolution verehren. Bezeichnend ist, dass nach seinem Tod 25 „Ehefrauen“ Anspruch auf sein Anwesen erhoben!

Danach uberten wir zum Plaza de Armas und der Kathedrale. Mir reichte der Ausflug für heute und wir pilgerten zurück zum Hotel.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Creel im Barranca del Cobre (Kupfercanyon). Auch hier hatten wir zwei Zimmer im Hotel reserviert, zum einen, weil sie sehr günstig sind, zum anderen weil es kaum Campingplätze gibt. Im Zimmer gab es zudem eine warme Dusche und einen offenen (!) Gasofen. Den brauchte es wirklich, auf 2300 Meter über Meer ist es nachts eisig kalt! Für einen Ausflug zu den Sehenswürdigkeiten rund um Creel stellte uns Felix wieder ein Programm zusammen und wir fuhren ins Tal der Frösche und Pilze und zur Missionskirche San Ignacio. Überall boten Tarahumara-Kinder Kunsthandwerk an, wir kauften einige Kleinigkeiten, schliesslich spazierten wir auf „ihrem“ Land umher. Nach dem Besuch der senkrecht aufragenden Felsen im Tal der Mönche und einer Pause am Arareko See, spazierten meine drei Männer zum Wasserfall Cusarare.

Die Tarahumara sind ein indigenes Volk, das in der Gegend des Kupfer Canyons lebt. Sie sind begnadete Läufer, bis zu zwanzig Stunden am Stück können sie bergauf und bergab rennen, in Kautschuk- und Lederriemen-Sandalen. Jedes Jahr im März findet ein internationaler Ultra Marathon (80Km) in den Canyons statt, Sieger der letzten paar Jahre waren Tarahumaras! Üben und Trainieren müssen die nicht mal, sie seien einfach Naturtalente.

Auf der Weiterfahrt am nächsten Tag stand der Parque de Aventuras auf dem Programm. Felix nahm die Seilbahn ins Tal, Yannik und ich sausten mit bis zu 100 km/h über fünf 400 bis 1000 Meter lange Ziplines über tiefe Schluchten hinweg und mussten dazwischen noch zwei wackelige Hängebrücken überwinden. Die erste Zipline meines Lebens fühlte sich scheusslich an, danach machte es richtig Spass. Bei der ersten Hängebrücke durfte ich noch nicht nach unten sehen, bei der zweiten schon. Wenn eine Dritte gefolgt wäre, hätte ich sie vielleicht ohne mich festzuhalten überwunden! Das tolle Erlebnis hat aber stark an meinen Kräften gezehrt und den nächsten Tag verbrachte ich im Halbschlaf. Am Mittag erreichten wir tief unten im Tal das Örtchen Urique. Felix und Yannik gingen Mittagessen und danach zum „Gemeindehaus“ zum Tourismus-Chef. Sie mussten kurz warten, dann durften sie vor dem sehr freundlichen Herrn Platz nehmen. Er fragte sie, ob sie die schlechten Nachrichten über sein Dorf in den Zeitungen gelesen hätten? Als sie verneinten, erklärte er sich nicht weiter. Felix fragte nach dem Zustand einiger Strassen (Urique-Botapilas-Tubares). Der Herr erklärte, dass diese Strecke mit 4×4 gut zu machen sei, jeder Streckenabschnitt aber etwa sieben Stunden beansprucht und wir sicher erst am nächsten Tag losfahren sollten. Wir übernachteten im Hof eines Hotels, Yannik in einem der Hotelzimmer, so hatten wir auch gleich eine Dusche. Der Hotelhof füllte sich mehr und mehr mit Polizeiautos und im ganzen Ort wimmelte es von Polizisten. Seltsamerweise hatten wir Handyempfang, aber kein Netz, um nachzulesen, was der Herr Tourismuschef gemeint haben könnte! So machten wir einen kleinen Spaziergang dem Fluss entlang und wieder zurück. Hier teilt man sich die Strasse mit Hunden, Hühner, Pferden, Katzen und Polizisten. Abends verliessen wir unseren Hof nicht mehr, uns war die Gegend etwas unheimlich… Ja, wir wussten, dass wir uns im Marihuana-Anbaugebiet befanden (haben weder Mohn- noch Marihuana-Felder gesehen), wir wussten, dass wir hier nicht alleine wandern gehen sollten, wir wussten aber auch, dass man Touristen in Ruhe lässt.

Am nächsten Morgen fragte ich einen der Polizisten, wieso sie so zahlreich da seien? Er zuckte die Schultern und erklärte, sie seien nur am Patrouillieren…

Wir fuhren ab, nicht in die erfragte Richtung, sondern auf einem schnelleren Weg nach Tubares. Die unbefestigten Strassen in der Gegend werden von Minenfahrzeugen benutzt und sehen zwar staubig, aber eigentlich gar nicht so übel aus. Aber das täuscht! Wir wurden gehörig durchgeschüttelt und waren froh, einen ebenen Ort zum Übernachten gefunden zu haben, gleich neben einem ehemaligen Basketballfeld, unterhalb eines Ziegengeheges. Bald schon entdeckte ich die erste Ziege, die den Kopf durch das ca. 15x15cm Geflecht des offenen Zaunes gesteckt hatte und da festsass. Es war zwar knifflig, ich konnte sie aber ohne Drahtschere befreien. Hätten sich Yannik und ich etwas weiter umgesehen, wären uns bestimmt auch zwei weitere Ziegen aufgefallen, die festsassen. Beim Aufwache am nächsten Morgen hörte ich das sich entfernende Gebimmel der Ziegen. Aber während wir frühstückten turnten zwei Gitzi vor unserem Fenster herum. Das kam mir seltsam vor und so stieg ich nochmals zum Gehege hoch und entdeckte zwei Ziegen. Eine zappelte am Hag herum, ein Neugeborenes tot zu ihren Füssen. Sie hatte es wohl in der Nacht geboren, festgesteckt im Zaun und konnte sich nicht darum kümmern. Die andere Ziege sass sehr aufrecht und erst jetzt bemerkte ich, wie mager sie war und dann, dass sie ebenfalls Tod war! Aber noch nicht lange! Die kleinen Turnkünstler gehörten zu ihr! Yannik brachte mit schnell die Drahtschere und ich befreite die zappelnde Ziege. Sie rannte gleich weg und begann zu fressen. Die andere Mama liess ich im Zaun hängen, ich mochte sie nicht anfassen. Ihre zwei Gitzi müssen sich schnell eine neue Mutter suchen, sonst hat dieser Scheisszaun vier Opfer gefordert. Der Ziegenhirt müsste mir zwischen die Finger geraten! So dünn wie die tote Ziege war, muss er tagelang nicht da gewesen sein! Am liebsten hätte ich den ganzen Zaun eingerissen!

Wir fuhren wir über El Fuerte nach Los Mochis und mieteten ein Zimmer im Ibis. Hier endete unsere gemeinsame Woche mit Yannik leider schon! Eine Woche ist einfach viel zu kurz! Aber wir hatten ja noch ein Rätsel zu lösen: Was war in Urique passiert? Am 28.10. verschwand dort ein amerikanischer Tourist. Er sprach fliessend Spanisch, da Spanischlehrer und stellte im Dorf viele Fragen kultureller Art. Anscheinend fiel er auf. Offenbar vermutete man, er gehöre der amerikanischen Drogenbehörde an und sei als Spion tätig. Von einem Spaziergang dem Fluss (!) entlang kehrte der unschuldige 34-jährige Mann nicht zurück und bald schon hiess es, er sei vom Sinaloa-Kartell ermordet worden. Auch ein Täter wurde bald genannt, konnte aber nicht festgenommen werden. Von der Leiche fehlte lange jede Spur, sie wurde aber just am Tag vor unserer Ankunft an der Strasse zwischen Urique und Batopilas entdeckt, also genau an der Strecke, über die sich Felix erkundigt hatte! Und weder der Tourismuschef noch die Polizei hielt es für nötig, uns zu noch mehr Vorsicht zu ermahnen! Wenn man in Mexiko über ein Problem NICHT spricht, dann gibt es das Problem auch nicht!

Yannik sitzt inzwischen schon wieder im Hochnebel in der Schweiz, wir geniessen ein paar Tage am Strand. Ganz ohne Stechviecher!

Fussgängerzone in Chihuahua
Creel im Morgennebel
Felsfrosch bei Creel im Copper Canyon
Steinpilze
Missionskirche San Ignacio im Valle de las Ranas y los Hongos (Frösche und Pilze)
Tal der Mönche. Den Namen gaben die Spanier dem Tal. Für die Tarahumara ist es das Tal der erigierten Penisse...
Yannik am Lago Arareko
Cascada Cusarare
Tarahumara Frau als Zuschauerin am Umzug in Creel
 
Bunte Kleider, von Hand genäht
Tänzerinnen am Umzug
 
 
Den Abschluss des Umzugs machten die Reiter
Blick in die Canyonlandschaft
Wir sind bereit! Es erwarten uns 5 Ziplines und 2 Hängebrücken!
Und los gehts!
Wenn die Mutter das kann, kann es auch der Sohn!
Die Strasse nach Urique. 1800 m in den Canyon hinunter.
das Dorf Urique am Rio Urique
Das Rathaus (für Jungs)...
Die Barbie-Kirche (für Mädchen)
Der Hotelhof voll mit Polizeiautos. Passieren kann da ja nichts.

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